von Günther Ruffert Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier die Rezension oder bestellen Sie online: Geschichten aus Thailand, Farang in Thailand. Jeder Thai trägt zumindest ein Amulett an einer Kette um den Hals. Es sind aus Gold, Eisen oder Ton gefertigte kleine Anhänger, mit dem eingeprägten Bild Buddhas, oder auch einer Hindu-Gottheit. Manche Amulette zeigen auch besonders verehrungswürdige Mönche. Die meisten tragen nur ein Amulett, man kann aber auch häufig Leute sehen, die mehrere Amulette, bis zu 20 und mehr um den Hals hängen haben. Je gefährlicher der Job ist, (z.B. LKW-Fahrer, Bauarbeiter auf schwankenden Gerüstkonstruktionen u.s.w.), um so mehr geben zusätzliche Amuletts dem Träger ein Gefühl von Sicherheit. Die Amulette werden von Tempeln gefertigt, bzw. vertrieben, die sie in der Regel gegen eine kleine Gebühr abgeben. Sie sollen gegen alles Böse schützen, oder auch einfach nur Glück bringen, sowohl in der Lotterie wie in der Liebe. Verschiedene Amulette haben unterschiedliche Kräfte. Einige schützen gegen Unfall, andere helfen gegen das Verlieren von Sachen, und manche machen den Träger auch attraktiv für Frauen. Vor allem aber verleihen sie allgemeines Wohlbefinden und halten böse Geister fern. Amulette mit berühmten Mönchen
 Amulettverkäufer findet man überall, an den Ecken der belebten Strassen, auf dem Markt, vor Tempeln, ja sogar im Computer-Mekka, dem Panthip-Building in Bangkok gibt es neben mehr als hundert Computershops mit einem Riesenangebot, auch eine ganze Reihe von Ständen, die mit Amuletten aus Metall oder Ton in allen möglichen Groessen und Ausführungen überladen sind. Auf Befragen gibt der Verkäufer gerne Rat und Auskunft, welches Amulett gegen was hilft. Man sieht an diesen Ständen sachverständige Käufer, die die einzelnen Amulette mit einem Vergrößerungsglas prüfen und einschätzen. Der Wert der Amulette wird vom Alter, der Geschichte und dem Ruhm des Tempels bestimmt, dem das Amulett entstammt. Wir sind in Thailand, und der Markt ist natürlich überschwemmt mit Kopien der wertvollsten Stücke. Es gibt auch eine ganze Reihe von Spezialmagazinen, die sich, wie bei uns die Magazine für Numismatiker und Philatelisten, nur mit Amuletten beschäftigen. Der Amulettmarkt ist einer der größten Märkte in Thailand, alleine in Bangkok wird der Umsatz an Amuletten auf ca. 10 Millionen Baht täglich geschätzt. (Bangkok Post 02.03. 1999) Die Preise solcher Amulette gehen von ein paar Baht bis zu mehreren Hundert Baht. Besonders wertvolle Amulette – wertvoll nicht wegen des Materialpreises, sondern wegen der besonderen Wirkung die man diesen Exemplaren zuschreibt – werden auch mit mehreren Tausend oder gar Zehntausenden Baht bezahlt. Manche Amulette, die ihre wundertätige Kraft bewiesen haben, können sogar extrem wertvoll werden. Der Farang wird meist überfordert sein, zu erkennen, warum ein Amulett kostbarer als das andere ist, aber die Thai-Experten erkennen an der Form, und an der auf der Rückseite jedes guten Amuletts angebrachten Stempels, nicht nur aus welchem Tempel dieses Amulett stammt, sondern auch wann es geprägt wurde, und wie hoch etwa sein aktueller Wert ist. Amulette, wie auch Buddha Bilder werden vom Tempel nicht gekauft, sondern gegen eine entsprechende Gebühr - die der Farang meist als Kaufpreis mißversteht – nur permanent ausgeliehen. Man kann einen Buddha also nicht kaufen, sondern er bleibt formell im Besitz des Tempels. Die Begriffe "kaufen" oder "verkaufen" sind also nicht angebracht, wenn es sich um Amulette oder Buddha Bilder handelt. Amulette aus Gold werden allerdings nur in Goldgeschäften gehandelt, hier handelt es sich auch nicht um echte, einem Tempel entstammende Amulette, sondern um reine Schmuckstücke, die auch nur ihren Goldwert haben. Bei den meisten Autos und Bussen hängen ein oder mehrere Amulette über dem Innenrückspiegel. Als wir ein Auto kauften, fuhren wir zuerst damit zum Tempel, wo ein Mönch mit einem Gemisch aus wundertätigem Wasser und Kreide magische Zeichen an die Decke des Fahrerhauses malte, und ein Amulett über den Innenrückspiegel hängte. Auch Buddha Statuen die in den verschiedenen Tempeln zu erwerben sind, haben die gleiche Wirkung wie Amulette. Sie beschützen aber in der Regel nicht nur die Person, sondern das ganze Haus und seine Bewohner. Amulette mit alten Königen
 Farangs sind oft scharf auf angeblich alte Stücke , die ihnen in Thailand überall angeboten werden. Es sind aber trotz aller Versicherungen der Verkäufer fast ausnahmslos Imitationen. Wenn man doch einmal auf dem Markt ein echtes altes Stück findet, dann stammt meist aus dem Besitz eines Verstorbenen oder Verunglückten, von dem sich die Erben trennen, weil sie sich vor dem Geist des Verstorbenen oder auch anderen bösen Geistern fürchten, die in dem alten Stück wohnen. Amulette mit einem Buddha Bild oder Buddha-Statuen sind nicht irgendwelche Schmuck- oder Gebrauchsgegenstände, sondern religiöse Objekte, denen Respekt zukommt. Wenn ein Thai sein Amulett ablegt oder umhängt, wird er jedesmal mit dem Amulett in den gefalteten Händen einen Wai machen. Buddha Statuen dürfen in einem Raum niemals an einer Stelle aufgestellt werden, wo mit den Füßen darauf gezeigt werden kann. Sie müssen auch so hoch plaziert sein, daß sie über den Köpfen der Bewohner stehen. Beim Aufstellen der Betten und der Sitzgelegenheiten muss darauf Rücksicht genommen werden. In den Informationen für Besucher wird auch immer darauf hingewiesen, daß die Verbringung von Buddha Statuen außer Landes verboten ist. Der Grund dafür ist, daß man befürchtet, daß die Buddhas dort nicht mit dem schuldigen Respekt behandelt werden. Kleine Buddha-Amulette können von Touristen aber problemlos mitgenommen werden. Kommentare |