baanthai Magazin - Drogen von Günther Ruffert
Drogen

von Günther Ruffert

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier die Rezension oder bestellen Sie online: Geschichten aus Thailand, Farang in Thailand.

Bei der letzten ärztlichen Untersuchung der jungen Rekruten stellte sich heraus, daß über 30 % der Jungen schon Drogen konsumiert hatten. Diese Zahl zeigt, wie gravierend dieses Problem in Thailand geworden ist. Die Regierung geht zwar mit harten Strafen gegen Drogenhändler vor, ohne daß aber bisher ein Rückgang dieser modernen Volksseuche festzustellen wäre.

Die Drogenpolitik Thailands ist aufgrund der Geschichte Thailands als enormer Produzent von Opium und Heroin übermäßig streng. Der Anbau von Mohn und die Verarbeitung zu Opium wurde 1958 offiziell verboten, gegen Widerstände in Armee und Polizei, die noch lange mit dem Transport der Droge ihre Gehälter aufbessern wollten. Offiziell wurden jedoch immer wieder große Razzien durchgeführt, die von US-Geldern finanziert wurden, dabei wurden dann die Mohnfelder niedergebrannt und ein paar kleine Dealer festgenommen. Gleichzeitig wurde der Anbau anderer Produkte gefördert, um den Menschen die vom Mohnanbau gelebt hatten, eine neue Existenzgrundlage zu geben. Der Schwerpunkt des Anbaus verlagerte sich daraufhin mehr nach Burma und Laos. Einst einer der größten Heroinproduzenten, wird heute im Land nicht mehr genug Opium für den Bedarf der eigenen Süchtigen angepflanzt. Thailand wurde aufgrund der guten Infrastruktur aber noch lange als Transportland genutzt.

Da von den Thai Behörden die Schmuggelwege für Heroin aus Burma immer stärker überwacht wurden, suchten die Drogenbarone nach einem Ersatz, der einfacher zu transportieren ist. Die ideale Lösung waren Yabaa-Pillen. Ein Träger kann einige zehntausend solcher Pillen in seinem Rucksack transportieren. Yabaa hatte in Kürze Heroin von seinem angestammten Platz verdrängt. Gerade als man den Kampf gegen Heroin als gewonnen deklarieren wollte, tauchte diese neue, noch schlimmere Gefahr auf, Yabaa die "verrückte Medizin". Einst nur von Fernlastfahrern und Prostituierten als Aufputschmittel genommen, wird nach offiziellen Schätzungen Yabaa heute von mehr als 2 Million Thais, vor allem Jugendlichen, konsumiert. Heute ist die Droge aus Thailands Schulen, Slums, Arbeiterkreisen und aus dem Nachtleben nicht mehr wegzudenken. Yabaa durchzieht die ganze Gesellschaft. Für jeden Thailandkenner ist aber auch augenscheinlich, daß die Korruption bei Politiker, Polizei und Armee eine Rolle beim Anstieg des Drogenhandels und –konsums spielen.

Produziert werden die Pillen hauptsächlich in Dschungellabors im thainahen Grenzgebiet von Burma, durch dort ansässige ethnische Gruppen, die Wa und die Cha. Sie finanzieren damit u.a. ihren bewaffneten Unabhängigkeitskampf gegen die burmesische Zentralregierung. Grundsubstanz der Droge ist Methamphetamin. Die Droge wurde zwischen den beiden Weltkriegen in Deutschland entdeckt. Bereits die Deutschen Bombenflieger erhielten in ihrer Schokolade Amphetamine (Hitlers Droge) als Aufputschmittel und zum Wachbleiben. Bei Yabaa handelte es sich um eine stärkere Form üblicher Amphetamine. Die Droge ist auch unter dem Namen Crystal-Meth oder Crystal-Speed, in Europa auch unter dem Namen Thaipille bekannt. Bei der Droge handelt es sich um fast 100 % reines Metamphetamin. Anders als bei Opium geht es bei Yabaa bloß um kriminelle Profitgier. Opium wird von bitterarmen Bauern angebaut, die nichts anderes haben um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Herstellung von Methamphetaminen dagegen geschieht industriell mit aus dem Westen importierten Chemikalien, und ist ein rein krimineller Akt der ausschließlich bloßer Profitgier dient.

Eine Yabaa-Pille, die in der Produktion nur wenige Pfennige kostet, wird heute in Bangkok zu Preisen zwischen 5 und 10 Mark verkauft. Die Gewinnspanne ist also enorm. Nach konservativen Schätzungen werden in Thailand jährlich 300 Millionen Yabaa-Pillen konsumiert. Es wird geschätzt, daß 2 von 3 Verbrechen in Bangkok mit Yabaa zu tun haben. Die Wirkung der Pille ist verheerend. Die Droge löst Halluzinationen aus und kann zu fast grenzenloser Euphorie, Aggressionen, Schlafstörungen, Angstzuständen und Gedächtnisverlust führen. Die Droge macht längerfristig depressiv und lebensmüde. Amokläufe und Selbstmorde von Yabaa-Konsumenten gehören in Thailand schon fast zum Alltag.

1999 verzeichnete ein Report der Nationalen Schulkommission 660.000 im Zusammenhang mit Drogen stehende Vergehen und Verstöße. Vor allem den Jugendlichen in den Großstädten geben die Drogen das, was sie im heutigen Thailand am meisten vermissen. Das ist das Vergessen der Kälte in den Beziehungen, sie haben plötzlich das Gefühl machen zu können was sie wollen, und alles erreichen zu können. Sie katapultieren sich mit einem Kick auf ein soziales Niveau, das sie in Wirklichkeit nie erreichen können.

Auf ein besonders großes Risiko lassen sich diejenigen ein, die glauben, in Thailand ins Geschäft mit Drogen einsteigen zu können. Berichte über Ausländer, die in Thailand wegen Drogenbesitzes verhaftet oder verurteilt werden, finden sich in den englischsprachigen Zeitungen in Thailand in so großer Zahl, daß sie als Lektüre fast schon langweilig sind. Weitgehend auf Druck der USA wurden in vielen Ländern der Welt, und hauptsächlich in Ländern der Dritten Welt, die wirtschaftlich von den U.S.A abhängig sind, in den vergangenen Jahren die Drogengesetze ständig verschärft. Aber auch in Ländern, die wie China und der Iran nicht von den U.S.A. abhängig sind, gibt es Massenhinrichtungen von Drogenhändlern; in vielen Ländern steht die Todesstrafe auf den Handel sogar mit kleinen Mengen an Drogen.

Die schnelle Ausbreitung des Drogenkonsums hat Thailand einen Schock versetzt. Der mit überwältigender Mehrheit gewählte neue Regierungschef Thaksin hat den Krieg gegen die Drogen erklärt. Schon der Besitz einer Yabaa-Pille bedeutet unweigerlich Haft, und ein paar Gramm Haschisch können einige Jahre Gefängnis einbringen. Von den über 200.000 Strafgefangenen in Thailands Gefängnissen, sitzen 65 % wegen Drogendelikten ein. Dealer die mit größeren Mengen Drogen gefaßt werden, riskieren die Todesstrafe. Allein im Juli 2001 wurden über 30 Todesurteile gegen Drogendealer verhängt. Nachdem die Vollstreckung der Todesstrafe in Thailand längere Zeit ausgesetzt war, werden in letzter Zeit die Urteile auch zunehmend durch Erschießen vollstreckt. In Thailands Gefängnissen warten heute mehrere hundert wegen Drogenhandel zu Tode Verurteilte auf ihre Hinrichtung.

In einer Gesellschaft, in der der Geisterglaube in den Menschen tief verankert ist, ruft man gegen ein Übel, das nicht auszurotten ist, auch offiziell die Geister zur Hilfe. So hat der Gouverneur von Suphan Buri, der von Drogen am meisten geplagten Provinz des Landes, in Anwesenheit von 20.000 Menschen einen Fluch über alle Drogenhändler verhängt. Wenn die Todesstrafe gegen Drogenhändler, die nicht nur immer öfter verhängt, sondern auch vollstreckt wird nicht hilft, dann vielleicht die Angst vor dem unter Anrufung der Geister öffentlich ausgesprochenen Fluch.

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