von Günther Ruffert Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier die Rezension oder bestellen Sie online: Geschichten aus Thailand, Farang in Thailand. Das Eisenbahnnetz Thailands ist weitgehend ein Werk deutscher Ingenieurbaukunst Es waren nahezu ausschließlich deutsche Ingenieure, die das zunächst nur 1.000 Kilometer lange Eisenbahnnetz in dem zuvor beinahe wegelosen hinterindischen Königreich gebaut hatten. Bis dahin war mit Ausnahme des Verkehrs entlang der Flüsse und Kanäle, die einzige Möglichkeit um Waren von Ort zu Ort zu transportieren oder zu reisen, sich auf Büffel, Pferde und Elefanten zu schwingen, oder mit Ochsen-Karren zu kutschieren. Die erste Bahn in Thailand, die auf den Spuren des alten Ochsenkarawanenpfades durch den Urwald nach Korat ging, wird darum heute noch die Pionierbahn Thailands genannt. Heute ist dort der dichte Wald allerdings überall abgeholzt. Zugreisen in Thailand sind nach unseren Verhältnissen billig, schnell und verläßlich, (wenn auch nicht immer 'pünktlich wie die Eisenbahn'). Obwohl die Benutzung der zentral von verschiedenen Busbahnhöfen Bangkoks in alle Richtungen des Landes abfahrenden Fernbusse schnell und preiswert ist, reist man, sofern man sich nicht fürs Fliegen entscheidet, in Thailand auf Langstrecken am besten und komfortabelsten mit dem Zug. In der thailändischen Eisenbahn gibt es eine Erste, Zweite und Dritte Klasse, wobei es in der Zweiten Klasse eine klimatisierte Unterklasse gibt, die mit dichten Fenstern und Klimaanlage ausgestattet, aber häufig zu kalt ist. Die nicht klimatisierten Waggons haben Fans, und tagsüber stehen allgemein die Fenster offen. Die dritte Klasse ist nie klimatisiert, und die Sitzbänke sind alles andere als bequem. Die meisten ausländischen Besucher reisen entweder in der klimatisierten oder in der nicht klimatisierten Zweiten Klasse. In Langstrecken-Zügen sind die meisten Waggons der Zweiten Klasse Schlafwagen. In Nachtzügen werden in der zweiten Klasse ab 20 Uhr die Betten in Fahrtrichtung heruntergeklappt, mit sauberer, weißer Bettwäsche bezogen und mit Vorhängen abgeteilt. Daneben gibt es noch einige Sonderzüge, die vom Hauptbahnhof Hua Lamphong einmal täglich in beliebte Touristenziele fahren, so nach Pattaya, Hua Hin, oder zum River Kwai. Eine Besonderheit ist der luxuriöse Orient-Expreß, der von Bangkok ausgehend ganz Thailand und Malaysia durchquert und in Singapur endet. Thailands Eisenbahnnetz gehört zu den besten in Südostasien. Besonders schnell sind die Züge, die alle auf Schmalspurgleisen fahren, allerdings nicht. Wenn ein Zug mit über 40 km/h fährt, steht er schon als 'Rapid' im Fahrplan, und wenn er nicht an jeder, sondern nur an jeder dritten Station hält, ist es ein 'Expreß'. Zugfahren in Thailand ist aber ein beeindruckendes Erlebnis, um die langsam vorbeiziehende Landschaft zu genießen. Vor allem in den billigeren Klassen kommt man auch mit allen Schichten der Bevölkerung schnell in Kontakt. Man gelangt über lange Strecken nicht nur sicher ans Ziel, sondern hat auch eine Menge Abwechslung während der Fahrt. Immer wenn der Zug auf einem Bahnhof hält, bieten auf den Bahnsteigen ambulante Verkäufer an den Fenstern längsgehend Snacks, wie gebratene Hähnchenteile oder Sandwichs, sehr preiswert an. Getränke werden von tagsüber die Gänge des Zuges auf und ab laufenden fliegenden Händlern laufend angeboten, wobei die Thais augenscheinlich gar nicht verstehen können, daß ein Farang auch mal ein paar Stunden ohne Bier auskommen kann. Kommentare |