von Günther Ruffert Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier die Rezension oder bestellen Sie online: Geschichten aus Thailand, Farang in Thailand. Mit dem aus dem Englischen stammenden Begriff Expat bezeichnen sich in der Regel die längere Zeit oder auf Dauer in Thailand lebenden Farangs. Ein Expat ist also jemand, der sich aus beruflichen oder privaten Gründen dafür entschieden hat in diesem exotischen Land zu leben. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist, daß man möglichst schnell die Dinge lernt, die erforderlich sind, um in diesem Land ein vernünftiges und zufriedenstellendes Leben zu führen. Was dazu erforderlich ist, hängt natürlich von den individuellen Ansprüchen und Erwartungen jedes Einzelnen ab. Egal aber welchen Lebensstandard man für sich selbst als unabdingbar erwartet, so sind zwei Dinge für jeden Expat erforderlich: - Die Erkenntnis, daß in Thailand andere Regeln der Logik, der Höflichkeit und des menschlichen Zusammenlebens gelten als er von zu Hause gewöhnt war. Daß es also keinen Sinn hat sich damit aufzureiben von Thais Dinge zu erwarten, die nicht ihrer Logik oder ihrer Auffassung von richtigen und angebrachten Handeln entsprechen. Man wird als Ausländer nichts, absolut nichts mit Kritik ändern, und sei sie noch so positiv oder negativ. Wenn man aber zu der Einsicht kommt, daß die Thais anders denken, fühlen und handeln wie wir Farangs, dann sollte man auch mal versuchen zu begreifen, daß die Thais die Sache von der anderen Seite sehen, und sagen "die Farangs fühlen, denken und handeln anders als wir Thais. Aber wenn sie in unserem Land leben, dann sollen sie sich gefälligst an die Spielregeln halten die hier seit Jahrhunderten gelten, und die dafür sorgen, daß unsere Thai Gesellschaft funktioniert."
- Die Einsicht, daß er in diesem Land immer ein außerhalb der Thai-Gesellschaft stehender Fremder sein wird, unabhängig davon, wie lange er hier lebt. Der Farang mag sich ernstlich bemühen, er wird es doch es nie schaffen wie ein Thai zu fühlen und zu denken. Dazu muss man schon in diesem Land geboren und aufgewachsen sein. Es ist unsere Denkweise, unsere Wertevorstellungen und die Prägung unserer eigenen Kultur die uns daran hindert. Erforderlich ist ferner die Erkenntnis, daß Thais – bei aller meist zur Schau getragenen Freundlichkeit - eine angeborene Zurückhaltung gegen alles haben was aus anderen Ländern kommt, und daß sie davon überzeugt sind, daß Thais besser und vernünftiger sind als die Angehörigen eines anderen Volkes. Daraus resultiert, daß man es für selbstverständlich hält, daß Thais im eigenen Lande gegenüber dem Ausländer gewisse Vorrechte haben. Vor der Paßkontrolle am Flughafen in Bangkok steht zwar ein Plakat, das alle Gäste mit "Welcome in the Kingdom of Thailand" begrüßt. Das erspart es aber lediglich den Beamten an der Paßkontrolle ein freundliches Gesicht zu machen.
Der neu in dieses Land kommende, oder der nur kurze Zeit hier weilende Tourist mag sich von der äußeren Freundlichkeit und dem ewigen Lächeln täuschen lassen. Er wird aber bald merken, daß es damit nicht mehr weit her ist, wenn diese äußeren Formen einmal wegfallen. Das kann bei einer Auseinandersetzung mit einem Geschäftsinhaber, Taxifahrer oder auch innerhalb der Familie sein. In jedem Falle wird er es merken, wenn er bei einer Behörde irgend etwas zu erledigen oder zu genehmigen hat. Er mag jahrelang mit denselben Menschen zu tun haben, er wird aber – auch wenn er kein Thai versteht – immer wieder das Wort Farang, also Ausländer hören, wenn man über ihn spricht. Der Farang mag wohl wegen seines Geldes, vielleicht auch wegen seiner Kenntnisse eine gewisse Wertschätzung genießen, er wird aber immer wieder feststellen, daß viele Thais bemüht sind einen gewissen Abstand zu ihm zu halten. Auch wenn es unter den Expats viele Thai-deutsche Verbindungen und Ehen gibt, so muss doch jeder der ehrlich ist zugeben, daß Thais und Farangs wie Wasser und Oil sind, d.h. daß sie wohl nebeneinander existieren und leben können, daß daraus aber nie eine Vermischung, eine Emulsion wird. Wie wird der Expat nun mit dieser Situation fertig. Manche begnügen sich damit, über alles zu schimpfen und unmöglich zu finden, was man als "Thai Ways of Live" bezeichnet. Sie hängen dann meist jeden Abend in ihrer Stammbar, tauschen ihren Ärger oder Frust mit Gleichgesinnten aus, und ertränken ihn in Alkohol. Wenn sie dann morgens mit einem Katzenjammer erwachen, müssen sie sich selbst fragen, was zum Teufel sie hier in diesem Land zu suchen haben. Andere versuchen sich einzurichten, und - aus der Erkenntnis heraus, daß es keinen Sinn hat seine Kräfte damit aufzureiben gegen den Strom zu schwimmen - die Eigenarten des Thai-Charakters bei allem was sie tun und vorhaben in Rechnung zu stellen, und im Übrigen das zu genießen, was dieses Land an Schönem und Angenehmen zu bieten hat. Und dann gibt es die Farangs, die wie ein enttäuschter Liebhaber diesem Land den Rücken kehren, und sich dann doch immer wieder heimlich hierher zurücksehnen. So mancher der sich lauthals darüber beklagt, daß ihn das Land zugrunde gerichtet habe, will sich selbst nur nicht eingestehen, daß er sich selber zugrunde gerichtet hat. Mit seinen unerfüllbaren Träumen von einem Leben ohne Arbeit oder ausreichenden finanziellen Rückhalt, mit seiner Erwartung hier das Paradies auf Erden zu finden, mit der Meinung daß die Menschen, die überwiegend einen geringeren Bildungsstandard als er selbst hat, damit auch dümmer sind als er selber, und nicht zuletzt mit der Illusion auszusteigen und dabei alles mitnehmen zu können was das Leben in Deutschland zu bieten hat, wie Rechtsgrundsätze, gesellschaftliche Regeln, soziales Netz u.s.w. Es gibt viele, für die ist Thailand ein Traumland, und es gibt andere, für die ist Thailand ein Alptraum, die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen, und das muss jeder für sich selbst definieren. Wer nach Thailand kommt um das Paradies zu suchen, der muss sich darüber klar sein, daß Adam das Paradies wegen der Geschichte mit dem Apfel ein für alle Mal verspielt hat. Dieses Land ist kein Paradies und mit unserer Kultur und Denkweise wird man dort meist auf die Nase fallen. Man muss eine Menge Input haben um dieses Land seine Menschen und ihre Handlungsweisen zu verstehen. Vor allem muss man in der Lage sein seine eigene Kultur und Denkweise in Frage zu stellen. Dabei ist weder Blauäugigkeit noch rosa Brille angebracht, aber auch nicht die Überziehungen und das ewige Geschimpfe mancher 'Thailandkenner'. Keiner kann umhin seine angeborene und erworbene Lebens- und Sichtweise mit in die Betrachtung eines anderen Landes einzubeziehen. Ich kann mir aber Thailand nun mal nicht so zurechtlegen wie ich es will. Es ist so wie es ist, ein schönes Land voller Widersprüche. Ich verstehe sehr gut, daß den Expats viele Dinge hier mißfallen. Auch mir geht in Thailand manches gegen den Strich, und gegen meine angeborene oder angelernte Auffassung von Sauberkeit, Ordnung und vernünftigen Leben. Aber ich bin nicht hier um den Thais beizubringen, wie sie in ihrem eigenen Land leben sollen. Andererseits gefallen mir sehr viel mehr Dinge als wie sie mir mißfallen. Wenn das nicht so wäre, würde ich nicht hier leben, sondern in Deutschland bleiben. Das Problem vieler Farangs ist, daß sie aus anerkennenswerten Gründen meinen, die Thais müßten sich unseren Wertvorstellungen und Regeln anpassen. Da kann man eher versuchen das Meer auszuschöpfen. Laß die Thais nach ihrem Gusto leben, und schaff dir selbst die nötigen Freiräume, dann hast Du eine gute Chance als Expat hier zufrieden zu leben. Es hat wenig Zweck zu versuchen ein Thai zu werden. Auch wenn man die Sprache spricht, sich zum Buddhismus bekennt, und sogar eine Zeit ins Kloster geht, bleibt man doch in Thailand immer ein Farang. Der Farang wird es bei allem Willen zur Anpassung nicht schaffen, sein kulturbedingtes Denk- und Verhaltensmuster auf Thai umzupolen. Wer aber unter Thais leben will, sollte er trotzdem versuchen sich im täglichen Leben den Thai-Gepflogenheiten anzupassen, auch wenn sie seinem angeborenen Denkmuster nicht entsprechen. Er wird aber selbst entscheiden müssen, wo die Grenze ist, von der ab er nicht mehr alles akzeptiert. Das wird in der Regel dann sein, wenn es ernsthaft an seine finanziellen Reserven, seine Gesundheit, oder seine Selbstachtung geht. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Thais das dann auch problemlos akzeptieren Kommentare - Anpassung als Expat (belanglose Alltagsgeschichte) ( 04.10.2004 17:23:55 Antworten: 1) |