baanthai Magazin - Filmideen von Günther Ruffert
Filmideen

von Günther Ruffert

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier die Rezension oder bestellen Sie online: Geschichten aus Thailand, Farang in Thailand.

Ich las kürzlich ein Spiegelinterview mit einem deutschen Filmemacher, der für die Misere des deutschen Films den Mangel an zugkräftigen Filmideen verantwortlicht macht. Ich bin durchaus seiner Meinung, und habe in schlafflosen Stunden darüber nachgedacht, wie man dem abhelfen könnte. Dabei kamen mir u.a. zwei Ideen für ein Filmdrehbuch, die ich den begabten Drehbuchschreibern hier kostenlos zur Verfügung stelle. Da ich in Thailand lebe, spielen beide Stories natürlich in Thailand und sind aus dem Leben gegriffen. Zu der Story über den Thai Heimatfilm wurde ich durch die Seifenopern angeregt, die pausenlos im Thai-Fernsehen laufen. Die Idee zu dem Film Farang in Thailand kam mir vor allem aus dem Studium der manchmal herzerweichenden Erfahrungen von Pattaya-Besuchern, die diese in unendlicher Wiederholung in den Internetforen ausbreiten.

Buo, der heroische Wasserbüffel

Daeng, ein Junge aus dem Isaan und sein Wasserbüffel Buo sind unzertrennliche Freunde und streifen den ganzen Tag zusammen über die Felder und den Fluß entlang. Buo haut sich den Bauch voll mit allem Grünzeug, das sich aus dem öden Boden heraustraut, und Daeng jagt derweilen alles was sich bewegt. Ratten sind seine bevorzugte Jagdbeute, aber auch Käfer und Heuschrecken, oder dicke weiße Maden sind nicht zu verachten. Manchmal trifft er auch auf einen Ameisenbau mit Tausenden weißer Ameiseneier, eine ganz besondere Delikatesse. Das idyllische Leben der beiden wird aber gestört, als ein chinesischer Tycoon aus Bangkok beschließt, am Ufer des Flusses ein Chemiewerk zu bauen. Die Bauern, die Angst um ihre magere Ernte haben, protestieren zwar, aber der Tycoon hat nicht nur die zuständigen Politiker und Behörden bestochen, sondern bringt auch eine Schlägertruppe mit, die den Bauern bald jeden Protestversuch schlagkräftig austreibt.

Als die Fabrik gebaut und in Betrieb ist, kommt es wie es kommen muss. Die Fische im Fluß gehen an dem giftigen Abwässern ein, die die Fabrik ungeklärt in den Fluß ableitet, und die mit dem Flußwasser vergifteten Felder bringen keinen Ertrag mehr. Als nun auch Buo der Wasserbüffel von dem vergifteten Flußwasser trinkt, läuft er Amok und rennt zur Fabrik, um dort ein fürchterliches Blutbad anzurichten. Schließlich wird er aber von der Übermacht überwältigt und getötet. Die Mörder veranstalten mit seinem Fleisch ein großes Festessen, an dem auch der böse Tycoon aus Bangkok teilnimmt. Sie haben aber nicht daran gedacht daß das Fleisch vergiftet war, und sterben noch in derselben Nacht eines qualvollen Todes. Das war Buos Rache !

Da jetzt niemand mehr da ist, um die Fabrik zu verteidigen, können die wütenden Bauern sie dem Erdboden gleich machen, und die Umwelt sowie der Dorffrieden sind gerettet.

Dem tapferen Buo aber wird von den dankbaren Dorfbewohnern ein Denkmal errichtet, das daran erinnern soll, daß zum Schluß immer das Gute über das Böse siegt, auch wenn es schwach ist.

Farang in Thailand

Rudolf, ein erfolgreicher Daytrader, hat während des Booms im neuen Markt ein Vermögen verdient, es aber beim Absturz des Marktes genau so schnell wieder verloren. Als ihn nun auch noch seine dritte Frau verläßt – er hatte sie sich extra aus der Tschechei geholt, weil die deutschen Frauen ihn immer wieder enttäuscht hatten – hat er die Nase voll und beschließt auszusteigen. Als eifriger Leser der Thai-Foren im Internet, weiß er, daß hier ein Mann noch Mann sein, und vor allem billig leben und sich vergnügen kann. Er verkauft also seinen Jaguar und kauft sich dafür ein Ticket nach Bangkok. Da er vom Verkauf des Luxuswagens noch 50.000 DM übrig hat, will er damit dort eine neue Existenz aufbauen. Er war zwar noch nie in Thailand, ist der Meinung, daß ein gebildeter Mitteleuropäer den Thais, die - wie er auch aus den Foren weiß - einen IQ haben, der etwa bei ihrer Körpertemperatur liegt, was Intelligenz angeht haushoch überlegen sein muß.

In Bangkok angekommen nimmt er sich gleich ein Taxi nach Pattaya, da er auch aus den Foren weiß, daß das der einzige Ort in Thailand ist, wo man nicht auf Schweinshaxe und tägliche Bildzeitung verzichten muß. Er will zwar aussteigen, aber doch möglichst all das was er an Komfort in Deutschland hat mitnehmen. Die 1000 Baht, also 50 DM die der Taxifahrer für die 120 km verlangt erscheinen ihm sehr günstig, denn soviel zahlt er ja schon für das Taxi vom Flughafen Frankfurt bis in die Innenstadt.

Am ersten Abend geht er auf Tour, und findet alles bestätigt was er im Susiforum gelesen hat. Hunderte von Bars und Tausende von jungen Mädchen, die augenscheinlich alle auf ihn gewartet haben. Er läßt sich an einer Bar nieder, und sieht ein traumhaft schönes Mädchen mit langen Haaren und Mandelaugen, die ihn verliebt anlächelt. Er versucht in ein Gespräch mit ihr zu kommen, und sie spricht tatsächlich auch ganz gut Englisch. Sie arbeitet nicht an der Bar, sondern ist nur zum Besuch ihrer Freundin für ein paar Tage nach Pattaya gekommen, und da sie abends nicht alleine im Hotel bleiben wollte, ist sie mit ihrer Freundin, die hier arbeitet, an die Bar gegangen. Er hat also richtig Glück gehabt und schon am ersten Abend ein Mädchen getroffen die nicht "so Eine" ist. Nach dem 10. Jonny Walker, und nachdem er auch dem Mädchen ein halbes Dutzend Ladydrinks ausgegeben hat, faßt er sich ein Herz und fragt sie, ob sie mit ihm kommen will. Und o Wunder, sie ist von seinem Charme so beeindruckt, daß sie nach einigem Zögern einwilligt. Sie gehen also in sein Hotel und er erlebt eine traumhaft schöne Liebesnacht. Das erst so schüchterne Mädchen bedient ihn wie eine gelernte Courtisane. Am nächsten Morgen weiß er daß er die richtige Frau gefunden hat. Sie will auch kein Geld von ihm annehmen, was ihn in der Auffassung bestätigt, daß sie nicht "so Eine" ist. Am Vormittag machen sie einen kleinen Stadtbummel, wo er ihr mit Gewalt ein paar Jeans und eine schicke Bluse andrehen muß. Zurück im Hotel ist wieder Bettzeit und die ganze Schau, die ihn in der Nacht so begeistert hat, wird wiederholt. Nach getaner Arbeit liegen sie erschöpft im Bett, und sie erzählt ihm ihr Leben. Die Familie ist arm, hat sie aber trotzdem auf eine gute Schule geschickt, und dafür ein Bankdarlehn aufgenommen. Jetzt sind wieder mal die Jahreszinsen fällig, und wenn die Familie sie nicht bezahlen kann, nimmt die Bank ihnen das Land weg, das sie als Sicherheit gegeben haben. Wenn Rudolf nun wirklich an dem Mädchen gelegen ist, muß er es jetzt beweisen. Er erkundigt sich nach der fälligen Summe, und findet, daß 10.000 Baht, also 500 DM kein zu großer Betrag ist, um sein Glück abzusichern. Er gibt dem Kind also das Geld, die ihn vor Dankbarkeit fast auffrißt, dann aber schnell zur Bank rennen muß, um das Geld zu überweisen bevor die Bank schließt.

Rudolf wartet nun Stunde um Stunde im Hotel, daß die Frau seines Lebens zurückkommt, aber vergebens. Voller Sorge, daß ihr etwas passiert ist, macht er sich um 10 Uhr abends auf den Weg zu ihrer Bar, nur um seine Flamme dort auf dem Schoß eines Farangs sitzen zu sehen. Da sie ihn keines Blickes würdigt, will er sie zur Rede stellen, verzichtet aber dann doch lieber darauf, weil der Kerl mit dem sie jetzt zusammen turtelt, so aussieht wie eine Mischung aus Stallone und Schwarzenegger. Er nimmt sein verletztes Herz also in beide Hände und geht an eine andere Bar um seinen Kummer zu ersäufen. Wie es sich trifft ist der Barbesitzer auch ein Deutscher. Sie kommen ins Gespräch, er gibt auch ein paar Drinks aus, und nachdem das Eis gebrochen ist, und Rudolf Vertrauen in den neuen Freund gefaßt hat, erzählt er diesem seine Geschichte. Der kann aber nur mitleidig den Kopf schütteln, und rät Rudolf, die Finger von den Barweibern zu lassen, und statt dessen ein eigenes Geschäft anzufangen. Wie es sich gerade trifft, muß er selbst dringend nach Deutschland zurück, weil sein Vater plötzlich gestorben ist, und er dessen Geschäft übernehmen muß. Es tut ihm zwar in der Seele leid, solch eine Goldgrube aufgeben zu müssen, er will sie auch nur in die Hände eines vertrauenswürdigen Nachfolgers geben. Das gesamte Inventar gehört ihm, und der Pachtvertrag mit nur 5.000 Baht Pacht im Monat läuft noch 3 Jahre. Rudolf erkundigt sich vorsichtig nach den Konditionen und erfährt, daß die Bar, das heißt Vertrag, Inventar und Personal für nur 1. 5 Millionen Baht zu haben ist. Das ist die Gelegenheit die Rudolf gesucht hatte. Der Kaufpreis würde zwar fast sein gesamtes noch vorhandenes Vermögen aufzehren, dafür hätte er aber dann eine Goldgrube, die ihm bald das investierte Geld wieder einbringen würden. Sie verabreden sich also für den nächsten Tag, ziehen erst zur Bank, dann zu einem Notar um den Kaufvertrag perfekt zu machen, und kaum ein paar Tage in Thailand, ist Rudolf zwar sein gesamtes mitgebrachtes Geld los, dafür aber der stolze Besitzer einer Bar. Zwar sind, als er die Bar übernimmt, fast keine Getränke mehr vorhanden, und er muß erst noch mal tief in die Tasche greifen, um die Regale aufzufüllen, aber wenn man eine Flasche Bier für 25 Baht einkauft und für 60 Baht verkauft, sind das – so hat Rudolf sich das als mit Zahlen vertrauter Daytrader schnell überschlagen ca. 130 % Gewinn. Soviel läßt sich selbst mit boomenden Aktien nicht so schnell verdienen.

Die erste Ernüchterung kommt, als ihm jemand klar macht, daß er um eine Bar zu betreiben nicht nur eine Arbeitserlaubnis, sondern auch noch einen Thai braucht um eine Ausschanklizenz zu bekommen. Die Dame mit Lizenz ist glücklicherweise noch vorhanden, und ist gerne bereit gegen ein kleines Monatsgehalt von 10.000 Baht auch weiterhin an der Bar zu bleiben. Auch die Arbeitserlaubnis wird, wenn auch nicht ganz billig, mit Hilfe eines auf diese Dienste spezialisierten Büros in Pattaya besorgt, und Rudolf ist der Meinung, daß jetzt das Geschäft richtig losgehen kann.

Er fällt aber aus allen Wolken, als nach ein paar Tagen der Thai-Besitzer der Bar mit einem neuen Pachtvertrag aufkreuzt. Der alte Vertrag lief nämlich auf den Namen des ersten Besitzers und ist bei Besitzerwechsel nicht mehr gültig. Die neue Pacht soll nun nicht mehr 5.000 Baht, sondern 20.000 Baht im Monat betragen. Da Rudolf nicht alles Investierte verlieren will, unterschreibt er zähneknirschend die neuen Bedingungen. Wie er an den paar Abenden, bevor die Sache perfekt war, gesehen hat, war die Bar jeden Abend von Farangs umlagert, und die Umsätze waren entsprechend. Was er aber nicht bedacht hat, war die Tatsache, daß man sich in der Saison befand. Als einen Monat später die Slow-Saison beginnt, und die Zahl der Farangs in Pattaya sich drastisch reduziert, bleiben auch die Gäste an der Bar aus. Es gibt Tage, da ist er der einzige Gast an seiner Bar. Der Rest seines mitgebrachten Geldes schwindet nun schnell dahin, denn die Pacht ist monatlich fällig, und den Mädchen, die mit Farangs nun kaum noch etwas verdienen können, muß er auch ein, wenn auch nur bescheidenes Monatsgehalt zahlen, wenn er nicht alleine an der Bar stehen will.

Als er nach 3 Monaten in einer nüchternen Minute seine Situation analysiert, kommt er zu der Erkenntnis, daß sein restliches Geld nicht mehr für ein Flugticket ausreicht. Er hat zwar versucht einen anderen Dummen zu finden, der ihm den Laden wieder abkauft, muß dann aber das Angebot des Thai-Besitzers annehmen, ihm den ganzen Krempel für 100.000 Baht abzukaufen. Das reicht nun gerade um seine Schulden zu bezahlen, und für ein Rückflugticket nach Hause. Er ist nun zwar sein Vermögen los, hat dafür aber in Rekordzeit eine Menge Erfahrung gewonnen, die er nun an die interessierten Leser der Thai Foren weiter geben kann.

Anmerkung:

Die Namen der Personen sind frei erfunden, die Handlungen jedoch nicht. Der Autor erhebt keinen Copyrightanspruch, weil die Ideen nicht von ihm sind , sondern aus Thai Heimatfilmen oder Thai-Foren im Internet stammen.

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