von Günther Ruffert Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier die Rezension oder bestellen Sie online: Geschichten aus Thailand, Farang in Thailand. Mancher Besucher der im vorigen Jahr nach Bangkok kam, wird sich vielleicht über die riesengroßen Porträts des Königs in den Straßen gewundert haben, mit denen seiner Majestät zum 72. Geburtstag Glück und langes Leben gewünscht wurde. Auch wer mit Thai-Airways geflogen ist, wird sich sicher gefragt haben, warum alle Maschinen mit Glückwünschen zum 72. Geburtstag des Königs bemalt waren. In der buddhistischen Tradition hat jeder Geburtstag im 12 Jahreszyklus eine besondere Bedeutung. Erst recht natürlich der 72. Geburtstag, denn nicht allen die dieses reife Alter erreicht haben, wird vergönnt sein, auch noch ein weiteres Dutzend Jahre bis zum 84. Geburtstag voll zu machen. Das alles gilt natürlich nicht nur für Majestäten, sondern trifft auch für gewöhnliche Sterbliche so wie mich zu. Nun befand ich mich zu meinem 72. Geburtstag nicht in Thailand sondern in Deutschland, und außer den üblichen Geburtstagsgrüßen von Kindern und Freunden nahm niemand besondere Notiz von diesem Festtag. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Meine Thai-Frau war der Meinung, daß wenn schon nicht der 72. Dann eben der 73. Geburtstag gebührend gefeiert werden müßte. Schon Wochen vor dem großem Tag wurde ich im Dorf immer wieder gefragt, wann denn nun die große Geburtstagsparty stattfindet. Am Morgen des Festtages fuhren wir mit dem Pickup zum Einkauf der notwendigen Sachen auf den Markt. Meine Frau hatte nach Konsultation mit der Familie eine große Liste gemacht von all den Dingen, die für eine vernünftige Party erforderlich erschienen. Ich war zwar der Meinung, daß 10 Kartons = 120 Flaschen Chang-Bier und 10 Flaschen 40%er Reisschnaps etwas reichlich seien, aber meine Frau beruhigte mich und meinte, ich sollte mir über den vollständigen Verzehr der Spirituosen keine Gedanken machen. Als wir mit vollgeladenem Pickup vom Markt zurückkamen, waren gerade ein paar Jungen dabei, unsere großen Scheune mit Luftballons und Girlanden zu einer Festhalle umzuwandeln und dazu auch eine riesengroße Lautsprecheranlage aufzubauen. Mir schwante Böses für mein armes Trommelfell, aber ohne Musik und zwar sehr laute Musik ist im Isan keine Feier denkbar. Am frühen Nachmittag wurde dann von einigen Nachbarn hinter der Scheune aus ein paar Blocksteinen und Bambusstäben ein großer Rost gebaut, auf den dann die zerteilten Stücke des von mir zu dieser Feier gekauften 35 Kilo schweren Spanferkels gelegt wurden. Das Ganze wurde mit Bananenblättern abgedeckt und brutzelte langsam vor sich hin. Inzwischen trafen die ersten Gäste ein, hockten sich im Kreis auf den Zementboden der Scheune und begannen auf mein Wohl zu trinken. Nun kam die Party langsam in Gang, immer mehr Gäste trudelten ein, Leute die ich kannte, und auch viele die ich nicht kannte. Alle schluckten kräftig mit und taten sich an dem saftigen Schweinebraten gütlich. So gegen 8 Uhr abends, war alles Trinkbare durch die durstigen Kehlen geflossen, und von da an war ständig ein Junge mit dem Motorrad unterwegs um Nachschub ranzukarren. Auf dem Höhepunkt der Feier wurde ein Tablett mit kleinen Schälchen voll Eß- und Trinkbaren vor mich hingestellt, der Dorfschamane und ein paar alte Leute hockten sich im Kreis darum, jeder schüttete aus einer Flasche etwas Bier oder Schnaps über die Schälchen und erbat den Segen der Geister für mich. Dann kam jeder der Anwesenden, band ein weißes Bändchen um mein Handgelenk, steckte einen Geldschein hinter das Bändchen und wünschte mir Glück. Irgendwann im Laufe des Abends merkte ich dann, daß ich mir doch etwas zu viel zugemutet hatte, mit jedem der über 50 Gäste einzeln anzustoßen und einen Schluck auf mein Wohl zu trinken. Während die Party weiter ging, suchte ich also meine Lagerstatt auf, und selbst der Riesenlärm konnte mich nicht daran hindern sofort einzuschlafen. Als ich am nächsten Tag so gegen Mittag wieder auf die Beine kam und das Schlachtfeld besichtigte, war alles schon wieder sauber aufgeräumt. Nur ein Riesenberg leerer Flaschen und ein großer nasser Fleck auf dem Zementboden der fürchterlich nach Alkohol stank zeugten von der Mordsparty. Jeder der Anwesenden hatte nämlich bevor er den ersten Schluck aus seinem Glas nahm, ein paar Tropfen für die Hausgeister auf den Boden geschüttet. Es war jedenfalls die schönste Geburtstagsparty in meinem Leben und alle Anwesenden haben eine Menge Sanuk gehabt, mit Ausnahme des Spanferkels natürlich. Kommentare |