baanthai Magazin - Gesang und Bambusflöten aus Nordthailand
Gesang und Bambusflöten aus Nordthailand

auf französisch

Eine musikalische Reise in das Land von Isaan und Lanna

(Übersetzung aus dem Französischen von Martina Weydner für das Institut Français Düsseldorf)

Mo Lam- und Khene-Gesänge aus Isaan (Nordosten)
Saw-Gesänge und Pi-joom-Ensemble aus Lanna (Norden)

Zur Geschichte...

Obwohl Thailand, das von den westlichen Kolonialisierungsbestrebungen der letzten Jahrhunderte verschont geblieben ist, zu den meistbesuchten Ländern unseres Planeten gehört, sind Feinheit und Kraft seiner zahlreichen musikalischen Ausdrucksformen noch weitgehend unbekannt. Abgesehen von der berühmten Lukthung oder Unterhaltungsmusik, die voller Fröhlichkeit den Rhythmus des Alltags bestimmt, gibt es noch eine Vielzahl von volkstümlichen Musik- und Tanzformen in allen Regionen des ehemaligen Königreiches Siam, in dem früher die Einflüsse der Königreiche von Myanmar, Laos und Kampuchea zusammenliefen, aber auch aus Indien, China, Malaysia und Indonesien (hauptsächlich Java).

Die traditionelle Musik Thailands (Königreich Siam, ehemals Chaw-ng wu, geographisch in den heutigen chinesischen Provinzen Yunnan, Canton und Kwangsi gelegen) – mystisch und zugleich wunderschön – lässt den unglaublichen Reichtum ihrer Quellen nur erahnen. Den Bewohnern dieses Königreiches sagte man eine musikalische Gabe nach.

Thailand (wörtlich Land der „freien Menschen“) hat seine eigene Geschichte gelebt, indem es die Kultureinflüsse der Mon- und Khmer-Völker aus Birma und Kambodscha in sich aufgesogen hat, wie auch die der malaysischen und indonesischen Völker, die wiederum selbst stark von ihren indischen Kolonisten beeinflusst wurden. Jahrhunderte lang wurde Thailand jedoch insbesondere von der chinesischen Kultur geprägt. Mit dem Einzug der mongolischen Eroberer 1253 flüchtete das Thaivolk Richtung Süden in das heutige Thailand, Laos und Nordvietnam.

Über die Seidenstraße und die Route der Großhändler auf dem Weg von Ost nach West oder von West nach Ost hat Siam unablässig in das eigene musikalische und organologische System neue Instrumente aus China (Leiern Tro, Tischzither Kim, Flöten), aus Indien (Krokodilzither Chakhey, Percussions), aus dem Königreich Khmer (zweisaitige Laute So-duang) sowie aus dem birmanischen Königreich integriert und hat somit einen Fundus aus äußerst breitgefächerten Musiktechniken und neuen Repertoires geschaffen.

Diese 'Assimilierung' wurde von historischen Ereignissen gekennzeichnet, wie etwa die Belagerung von Angkor in Siem Reap (wörtlich „Sack der Siamesen“) im Jahre 1431 und die Umsiedlung von mehr als 90.000 Kambodschanern – darunter zahlreiche Künstler - an die Höfe der Hauptstadt Ayuthaya. Diesbezüglich sollen die Khmer ihre thailändischen Kolonisten zivilisiert haben (politische Organisation), die als wesentlich ungehobelter und „barbarischer“ galten. Nach der Gründung von Sukothai 1238 und im Laufe der Blütezeit von Ayuthaya (1360-1767) verstärkt sich die Thaiidentität durch Entstehung und Ausbau großer Ensembles und Strukturen der klassischen Musik.

Ayuthaya selbst wird 1560 durch birmanische Truppen eingenommen und zerstört. Dasselbe Schicksal ereilt Chaing Mai, die Hauptstadt des Königreiches Lanna.Somit haben Musik und Tänze der Khmer, die von den Thai ganz besonders geschätzt wurden, siamesische Künstler in ihrer Arbeit beeinflusst, was sich wiederum auf die Musiker der birmanischen Höfe übertragen hat! ... Politische Migrationbewegung (Ost-West), die auch kulturelle Mischformen begünstigt hat. Thailand ist somit eine Art „Tasche“, ein Reservoir vermischter Traditionen, ein Nährboden extrem fruchtbarer und reicher Kultur.

Weit entfernt von den musikalischen Strukturen, aus denen die klassisch-siamesische Tradition besteht (Pi Phat- und Mohori-Orchester als Begleitung von Theater, Tanz und Tempelzeremonien) oder den rein religiösen buddhistischen Musikformen, haben sich andere, volkstümlichere Musikstile entwickelt, die heute noch erfolgreich sind: einige Regionen des Landes oder ethnische Minderheiten (z.B. die Shan) definieren sich nur über ihre Melodien oder ihre emblematischen Instrumente. Weit entfernt von den Klischees über Tempi und Schlager der Unterhaltungsmusik ist das kulturelle Leben einiger Dörfer und Provinzstädte sowie die Phantasie ihrer Bewohner immer noch stark geprägt von diesen traditionellen Ensembles.

Kaum vorstellbar wäre die Region Isaan ohne ihren berühmten Khene-Spieler oder sein Pong Lang-Ensemble wie unweigerlich an den gigantischen Werbeplakaten für die nächsten Pong Lang-Konzerte in den Städten Khon Kaen, Mahasarakham, Ubon Ratchathani oder Roi Et zu erkennen ist.

Dasselbe gilt für den Norden und die Region Lanna, in denen die chinesischen Einflüsse besonders stark spürbar sind und wo die Pi-joom-Ensembles miteinander konkurrieren und nächtelang die öffentlichen Plätze beleben oder aber das halb-improvisierte, extrem populäre Saw-Theater in regelrechten Wettbewerben und Rededuellen begleiten.

Musik und Gesänge aus Isaan (Nord-Ost)
Im Land der Khenes und des Mo Lam – eine Grenzmusik

'Die Musik für die Khene, ob nun langsam oder schnell, verleiht auf Grund ihres modalen Charakters und die sich ständig wiederholende Melodie, kaum wahrnehmbar in ihren schnellen Wellenbewegungen, das Gefühl ewiger Dauer, schleifenförmig, konzentriert nach innen gerichtet, voll in sich ruhender Andacht. Der Zuhörer gerät in eine Kreisbewegung, ohne Kontrast, die sich der Augenblicklichkeit und Variabilität unserer Handlungen und Gefühle entgegensetzt.' (Dana Rappoport, Musikwissenschaftlerin, CNRS / Musée de l’Homme)

Die Mundorgel Khene ist in Nordthailand, in der Region Isaan an der Grenze zu Laos, eines der unglaublichsten altüberlieferten Instrumente. Es gibt sie in verwandten Formen immer noch in Birma (Myanmar), Vietnam, China, Japan und Indonesien, und somit ist diese Mundorgel in sich selbst Symbol und Reminiszenz einer sehr alten, gelehrten und hochentwickelten Zivilisation.

Die Klarheit ihrer Linien, die Einfachheit ihrer Fabrikation, die Wissenschaft, die dem Akkord ihrer Holzstäbe zugrunde liegt, die Feinheit der Töne – all dies macht aus ihr ein reines künstlerisches Meisterwerk.

Der Legende nach soll dieses wunderbare Instrument vom chinesischen Kaiser Nyu-Kwa im 3. Jahrhundert v. Chr. erfunden worden sein und sich dann in ganz Asien ausgebreitet haben, um somit zum Schlüsselinstrument asiatischer Zivilisationen zu werden, vom Bangladesch bis Japan (Mundorgel Sho) über China (Sheng).

Eine weitere Legende laotischen Ursprungs berichtet, dass vor langer Zeit eine Witwe den Wunsch hegte, den Vogelgesang imitieren zu können. Bei einem Spaziergang im Wald faszinierte sie eines Tages der Gesang des Vogels Nok Karavek, und sie beschloss ihn mit Hilfe eines kleinen Instrumentes, das sie aus Reiszweigen fertigte, nachzuahmen. Dann begann sie, festere Bambuszweige zu benutzen, die sie zur Stabilisierung des Instrumentes zusammenband. Um diese wunderbare Melodie bekannt zu machen, schenkte sie das Instrument dem Gouverneur der Region, der es Khene taufte, wörtlich das „Beste“ aller Instrumente.

Die Popularität der Khene ist auch dadurch zu erklären, dass sie als heiliges Instrument par excellence angesehen wurde. So wurde sie in Thailand ursprünglich bei Sühnezeremonien eingesetzt, um den Gott Phi Fa anzurufen, der allein in der Lage war, es regnen zu lassen und Krankheiten zu beschwören. In späteren Zeiten wurde sie zum Hauptinstrument in den Ensembles der Hofmusik, insbesondere in Laos.

Heutzutage findet man die Khene nur noch in geographisch eingegrenzten Regionen und somit stellt sie eine Art Privileg und Symbol der Thai- und Lao-Volksstämme dar, die in Isaan, der größten Region des Landes, sehr verbreitet sind. Sie spielt eine große Identifikationsrolle und ist auch von spiritueller Bedeutung. Die Khene ist vor allen Dingen ein Privileg der Landbevölkerung, einer Gesellschaftsschicht, die der Modernisierung mehr oder weniger widerstehen konnte. Da sie zugleich in den religiösen Zeremonien über moderne Repertoires anzutreffen ist, erfüllt sie auch die Rolle eines Köders für die junge Generation in den Tempeln.

Die Khene nimmt auch heute einen vorrangigen Platz in den neuen Pong Lang-Ensembles „à la mode“ (gegr. 1959) ein, die mir der ausgeprägten Fröhlichkeit und Lebendigkeit ihrer Melodien mit indioamerikanischem Anklang überraschen. Diese neue „Countrymusic“ erzählt vom Exil der Bauern aus Isaan, die in Bangkok nach Arbeit suchen, vom Leben fern der Familie und natürlich von der Liebe.

Im übrigen hat sich die Khene auch dem modernen westlichen Musikgeschmack angepasst und ist mit der Organologie der Rock- und Unterhaltungsmusikformationen verschmolzen. Auf westlichen Bühnen findet man sie in einigen Stücken der Gruppe Aerosmith (1989), der Cranberries (1996) und von Yes (1999), jedoch auch im Werk des Experimentalkomponisten Randy Reine-Reusche (In the Shadow of the Phoenix, 1998).

Das Instrument begeistert ebenfalls durch seinen speziellen Bau mit 14 bis 26 Bambusröhren mit freien Zungen, den sogenannten Pi, die man in den Pi-joom-Ensembles in Chaing Mai und weiter nördlich an der chinesisch-thailändischen Grenze findet.

Die Fähigkeit, mehrere Töne gleichzeitig zu erzeugen, sein besonderer Klang und die Daueratmungstechnik haben dieses Instrument zu einem Meisterstück werden lassen, sowohl in den Musikformen des Hmong in Nordthailand und in der Begleitung des improvisierten Gesangs Mo Lam, dessen Ursprünge sehr weit zurückliegen, als auch in der neueren Formation de Pong Lang (Nord-Osten).

Die Khene (Khene paat oder Khene gao, je nach Anzahl und Größe der Röhren) wird oft von Mo Lam-Gesang begleitet („Mo“ wörtlich Experte, „Lam“ wörtlich Gesang), der in Isaan nicht weniger populär ist und wo die Vielzahl laotischer Gemeinschaften das musikalische Erbe enorm bereichert hat, so dass Isaan zu den Regionen mit den größten Kulturschätzen Südostasiens gehört. Der Süden, an der khmer-thailändischen Grenze, steht unter stärkerem Einfluss Kambodschas in den ebenfalls sehr lebendigen Musikformen des Kantrum.

Der Mo Lam-Gesang hat zum einen großen Unterhaltungswert, spielt aber auch eine wichtige Rolle bei der mündlichen Überlieferung der Kultur von einer Generation zur nächsten. Die Ursprünge dieses Gesangs bleiben im Dunkeln, aber er soll aus spirituellen Glaubensströmungen, aus der Notwendigkeit, die wunderbaren Märchen der mündlichen Literatur ( im lokalen Dialekt) weiterzugeben, aber auch aus Rededuellen zwischen Partnern unterschiedlichen Geschlechts entstanden sein.

Es gibt mehr als fünfzehn verschiedene Formen des Mo Lam, je nach Anzahl der Interpreten. Der Mo Lam wird sowohl im familiären Rahmen als auch bei großen Dorffesten gesungen.

Angefangen bei den heiligen Geschichten des Buddha oder Jataka (die 550 Leben des Buddha und seine Wiedergeburten), über die Dorflegenden, bis hin zu aktuellen Berichten, Liebesliedern und Huldigungen an die Natur, deckt der Mo Lam, der immer wieder zu unglaublichen improvisierten Wettbewerben inspiriert, ein umfangreiches Repertoire ab.

Die besondere Schönheit dieses Gesangs besteht im ständigen und zweideutigen Spiel schillernden Sprechgesangs mit der Melodie und Rhythmik der Khene, in Geschick, Improvisationstalent und Phantasie des Sängers, der seine Inspiration aus den Akzenten einer niemals endenden hypnotischen Musik schöpft.

Der alte Gesang des Mo Lam dreht sich wie ein niemals ruhendes Rad, zieht uns in seinen Bann, spricht unsere Phantasie an, um weit zurückliegende Erinnerungen hervorzuholen und unsere geheimsten Gefühle wieder aufleben zu lassen.

In ihrer poetischen Entwicklung vollzieht die Stimme eine therapeutische Offenbarung unseres Innersten durch die Magie des zu Fleisch gewordenen Wortes.

Die Komplexität der Melodien aus Isaan und Lanna zeugt von einer zwar ländlichen, dennoch hochentwickelten und raffinierten kulturellen Grundlage. Die Musikformen aus Isaan bergen als Erben der sanften und feinen Musik des Nordens mit chinesischer Inspiration eine außergewöhnliche Energie, die aus den Herzen der Menschen zu strömen scheint und einem unbändigen Lebenswillen entspringt, aus dem Skandieren des Gesangs, der vom quasi mechanischen Antrieb der Luft aus den Röhren der Mundorgel getragen wird.

Musik und Gesänge aus Lanna (Norden)
Saw-Gesang und Pi-joom-Ensemble aus Chiang Mai

Geschichte des Lanna
Das Königreich Lan Na mit der Hauptstadt Chiang Mai wurde 1296 gegründet und erlebt seinen Höhepunkt im 15. Jahrhundert. Anschließend wird es zum Spielball in den Kämpfen zwischen den Birmanen, die Chiang Mai 1556 einnehmen, und den Siamesen. 1595 erkennt Lan Na die Lehnsherrschaft des siamesischen Königs Naresuen an. Nach erneuter Besetzung durch die Birmanen von 1762 bis 1775, wird Lan Na entgültig am Ende des 19. Jahrhunderts von Siam annektiert. Nach sieben Jahren Autonomie bewahrt Nordthailand heute seinen Partikularismus, insbesondere in den Dialekten und der Musik.

Pi-joom-Ensemble

Die Pi, ein Vorfahr der Khene, repräsentiert die Kultur des Lanna, das seit dem 13. Jahrhundert für den Reichtum seiner Provinzen bekannt ist (Chiang Rai, Lumpang, Lumpun, Phayao, Prae, Nan, Mae Hong Son, Chiang Mai). Sie besteht aus einem Bambusrohr mit freier Zunge, das der Musiker in Daueratmungstechnik zum Spielen quer in den Mund einführt.

Ähnlich der chinesischen Bawu und der vietnamesischen Dja mblai ist die Pi das bevorzugte Instrument Nordthailands, zugleich aber auch Privileg des Poothau-Volkes im Nord-Osten Thailands, wo das ethnische Puzzle (Myanmar, Laos, Thailand) sowie der kulturelle Austausch das künstlerische Schaffen befruchtet und stimuliert haben. Die einige Zentimeter von der Öffnung angebrachte Zunge entsteht durch Abflachung eines Geldstückes, das so fein wie Zigarettenpapier gewalzt, anschließend rechteckig geschnitten und in das Instrument eingesetzt wird. Die ersten Röhrchen mit freier Zunge haben sich wahrscheinlich aus der Maultrommel entwickelt, die ihre Ursprünge in Nord-Ost-Asien hat und sich dann über Indonesien auf die Pazifischen Inseln verbreitet hat (s. Genggong-Maultrommel aus Bali).

Früher sollte dieses Röhrchen mit freier Zunge den Froschgesang im Laufe von heiligen Riten imitieren. Im übrigen kann die größenmäßig variable Pi insbesondere auch den Tonumfang der menschlichen Stimme wiedergeben.

Das Pi-joom-Ensemble setzt sich aus vier Pi unterschiedlicher Größe, einer großen Sueng-Laute und einem Gesangsduo zusammen. Wie der Mo Lam, so nimmt auch der Saw-Gesang einen sehr wichtigen Platz in der Kultur Nordthailands ein und erfordert von Seiten des Erzählers ein unfehlbares Erinnerungsvermögen und echtes Improvisationstalent.

Ursprünglich den Tempelfeierlichkeiten, der Priesterweihe junger Bonzen und der Würdigung und Einweihung neuer Bauten vorbehalten, räumt die zum Teil improvisierte Pi-joom-Musik der Stimme, dem Gesang, der Erzählung viel Raum ein und lässt dabei die Percussion in ihrer organologischen Zusammensetzung vergessen. Die sanfte Stimme des Sängers lädt uns in einem wahren Wirbelsturm der Worte ein, getragen von der Lieblichkeit der „Flöten“: Empfehlungen an die Dörfer, die Besitzer des jeweiligen Ortes, an die Vorfahren, an die Geister, an Buddha, an die Märchen und volkstümlichen Legenden reihen sich kreisförmig, aber phrasiert aneinander, wie in einem Gedicht.



Voix et bambous de la Thaïlande du Nord
Un voyage musical au pays de l’Isaan et du Lanna

Chants Mo Lam et Khène de l’Isaan (Nord-Est)
Chants Saw et Ensemble Pi-joom du Lanna (Nord)

Un peu d’Histoire…

Parmi les pays les plus visités de notre planète, la Thaïlande, restée vierge de toute colonisation occidentale ces derniers siècles, n’a paradoxalement pas encore révélé les subtilités et la vigeur de ses nombreuses expressions musicales. Loin des fameux Lukthung ou musique de variété qui ponctuent et rythment joyeusement la vie quotidienne de tous, des multitudes de musiques et de danses populaires se font encore entendre dans toutes les régions de l’ancien royaume du Siam où convergeaient jadis les influences des royaumes du Myanmar, du Laos, du Kampuchea, mais aussi de l’Inde, de la Chine, de la Malaisie et de l’Indonésie (Java essentiellement).

Encore totalement baignée de mystères et de merveilleux, la musique traditionnelle de Thaïlande (Royaume du Siam, anciennement appelé Chaw-ng wu situé à l’emplacement actuel des provinces chinoises du Yunnan, de Canton et du Kwangsi) révèle à l’écoute l’incroyable richesse de ses sources. On raconte que les habitants de ce royaume avaient véritablement un don pour la musique.

La Thaïlande (litt. Pays des « Hommes libres ») a vécu son histoire propre, s’imprégnant et infusant à son tour les cultures des peuples Môn et khmers de Birmanie et du Cambodge, des peuples de Malaisie et d’Indonésie eux-mêmes héritiers des grandes influences de leurs colons indiens. Mais c’est avant tout de la culture chinoise dont la Thaïlande a été nourrie pendant des siècles. A l’arrivée des grands conquérants mongols en 1253, le peuple Thaï fuit vers le Sud pour occuper l’actuel Thaïlande, le Laos et le Nord du Vietnam.

Sur la route de la soie et des grands commerçants circulant d’Est en Ouest et d’Ouest en Est, le Siam n’a cessé d’intégrer à son système musical et à son organologie de nouveaux instruments venus de Chine (vièles tro, cithare sur table Kim, flûtes), d’Inde (cithare crocodile Chakhey, percussions), des royaumes Khmer (lute a deux cordes so-duang) et Birman, devenant dépositaire de techniques musicales très diversifiées et de nouveaux répertoires.

Parmi les événements historiques marquant cette « assimilation », il faut rappeler le siège d’Angkor à Siem Reap (litt. Le « Sac des Siamois ») en 1431 et le déplacement de plus de 90 000 cambodgiens –dont de nombreux artistes- dans les cours de la capitale du Royaume : Ayuthaya. On dit d’ailleurs à ce propos que les khmers auraient civilisé leurs colons thaï (organisation politique), beaucoup plus rustres et « barbares ».

Après la fondation de Sukothai en 1238 et pendant la rayonnante période d’Ayuthaya (1360-1767), l’identité Thaï se renforce et s’affirme à travers la mise en place et la consolidation des grands ensembles et systèmes de la musique classique.

Ayuthaya sera à son tour prise et défaite par les troupes birmanes en 1560. Le même sort sera fait à la ville de Chaing Mai alors capitale du Royaume Lanna.

Ainsi les musiques et danses khmères, particulièrement appréciées des Thaï ont largement inspiré le répertoire des artistes siamois réinvesti à son tour par les musiciens des cours birmanes !…Mouvement (Est-Ouest) de migration politique propice aussi aux métissages culturels de toutes sortes. La Thaïlande constitue donc une « poche », un réservoir de traditions mélangées, un bouillon de culture extrêmement fertile et riche.

Loin des systèmes musicaux constituant l’essence de la tradition classique du Siam (orchestres Pi Phat et Mohori accompagnant le théâtre, la danse et les cérémonies de temple) ou des musiques purement religieuses bouddhistes, d’autres musiques, plus populaires, se sont développées, remportant toujours à l’heure actuelle un succès considérable : certaines régions du pays ou certaines minorités ethniques (les Shan par exemple) ne peuvent ainsi se penser sans leurs mélodies ou leurs instruments emblématiques.

Loin des clichés des tempos et rengaines des musiques de variété, ces ensembles traditionnels continuent de marquer profondément la vie culturelle de certains villages et villes de province et l’imaginaire de leurs habitants.

Ainsi on ne peut imaginer la région de l’Isaan sans son célèbre joueur de khène ou son ensemble Pong Lang, en témoignent les panneaux gigantesques annonçant les prochains concerts de Pong Lang dans les villes de Khon Kaen, Mahasarakham, d’Ubon Ratchathani ou de Roi Et.

De même pour le Nord et la région du Lanna, profondément imprégnés par les influences chinoises, où les ensembles de pi-joom se livrent concurrence et animent encore la place publique au cours de longues veillées nocturnes ou accompagnent le théâtre saw, semi-improvisé, extrêmement populaire donnant lieu à de véritables compétitions et joutes verbales.

Musiques et chants de l'Isaan (Nord-Est)
Au pays des Khènes et du Mo Lam – une musique des frontières

'Lente ou rapide, la musique pour khène, par son caractère modal et sa ligne mélodique répétitive, insaisissable dans ses ondulations véloces, offre l’idée d’une durée perpétuelle, en boucle, d’une intériorité concentrée visant à un recueillement serein. Elle installe l’auditeur dans un mouvement tournoyant, sans contraste, qui s’oppose à l’instantanéité et à la variabilité de nos actions et de nos sentiments.' (Dana Rappoport, musicologue, CNRS / Musée de l’Homme)

Très répandu en Thaïlande du Nord, dans la région de l’Isaan qui borde le Laos, l’orgue à bouche khène est l’un des instruments ancestraux les plus incroyables. Ayant aussi survécu en Birmanie (Myanmar), au Vietnam, en Chine, au Japon et en Indonésie sous des formes parentes, l’orgue à bouche représente à lui seul le symbole et la réminiscence d’une civilisation très ancienne, savante et sophistiquée.

« La pureté de ses lignes, la simplicité de sa fabrication, la science qui a présidé à l’accord de ses lames, la délicatesse des sons qu’il émet, tout contribue à en faire un chef d’œuvre artistique pur. »

La légende raconte que ce fabuleux instrument aurait été inventé par l’Empereur chinois Nyu-Kwa au 3ème millénaire av. J.C. et se serait ensuite répandu dans toute l’Asie, devenant ainsi un instrument-clé des civilisations asiatiques, du Bangladesh au Japon (orgue à bouche Sho) en passant par la Chine (Sheng).

Une autre légende, d’origine lao raconte aussi qu’en des temps très reculés, une femme veuve désirait profondément imiter le chant des oiseaux. Un jour se promenant dans la forêt, elle fut éblouie par le chant de l’oiseau Nok Karavek qu’elle décida alors de reproduire en confectionnant un petit instrument avec des tiges de riz : puis elle recommença en utilisant des tiges de bambous plus solides, qu’elle réunit pour consolider l’instrument. Afin de faire connaître cette merveilleuse mélodie, elle décida de faire cadeau de l’instrument au gouverneur de la région qui le baptisa Khène, littéralement le « meilleur » des instruments.

Si le khène a connu une telle popularité, c’est qu’il était aussi considéré comme l’instrument sacré par excellence.

Ainsi en Thaïlande, il est à l’origine utilisé lors de cérémonies propitiatoires pour appeler le Dieu Phi Fa seul capable de faire venir la pluie et de conjurer les maladies. Plus tard, il devient un instrument primordial dans les ensembles de musique de cour, notamment au Laos.

Confiné à des régions bien délimitées maintenant, le khène reste en quelque sorte l’apanage et le symbole des ethnies Thaï-Lao très présentes dans l’Isaan, la région la plus étendue du pays. Il joue un rôle identitaire très fort : son importance est aussi d’ordre spirituel. Le khène est avant tout l’apanage des sociétés paysannes, sociétés qui ont tant bien que mal résisté à la modernisation. Présent dans les cérémonies religieuses sur des répertoires modernes, il joue aussi cependant le rôle d’appât des jeunes générations dans les temples.

Le khène occupe aussi aujourd’hui une place de premier choix dans les nouveaux ensembles Pong Lang « à la mode » (crées en 1959) et qui surprennent par l’extrême gaieté et vivacité de leurs mélodies aux accents amérindiens. Cette nouvelle musique « country » raconte l’exil des paysans de l’Isaan venus chercher un travail à Bangkok, l’éloignement familial mais aussi et biensûr l’amour.

Par ailleurs, le khène a également sû s’adapter aux nouveaux goûts musicaux occidentaux, se fondant dans l’organologie de formations rock ou de variété. Il apparaît aujourd’hui sur les scènes occidentales : dans certains morceaux du groupe Aerosmith (1989), des Cranberries (1996) et de Yes (1999) mais aussi chez le compositeur de musique expérimentale Randy Raine-Reusche qui l’introduit dans sa création (CD) In the Shadow of the Phoenix (1998).

Instrument passionnant aussi dans sa facture puisqu’il se compose de 14 à 26 tuyaux de bambous à anche libre appelés Pi et qu’il peut atteindre 3 mètres de haut ! Ce sont ces mêmes tuyaux Pi que l’on retrouve dans les ensembles de pi-joom à Chiang Mai et plus au Nord, à la frontière sino-thaï.

Sa capacité à produire plusieurs sons simultanément, son timbre particulier et la technique en respiration continue ont contribué à faire de cet instrument une pièce maîtresse tant dans les musiques des Hmong du Nord de la Thaïlande que dans l’accompagnement du chant improvisé Mo Lam dont les origines remontent elles aussi à des temps très anciens, ou dans la récente formation du Pong Lang (Nord-est).

Le khène (Khène paat, khène gao suivant le nombre et la taille des tuyaux) est souvent accompagné du chant Mo Lam, non moins populaire (« Mo », litt. expert et « Lam », litt. Chant) en Isaan où la présence forte de communautés Lao ont largement enrichi le patrimoine musical, faisant de l’Isaan une des régions culturelles les plus riches de l’Asie du Sud-est. Au Sud, à la frontière thaï-khmère nous rencontrons davantage les influences du Cambodge dans les musiques Kantrum également très vivantes.

Sollicité pour le divertissement de tous, le chant Mo Lam joue aussi un rôle fondamental dans la transmission orale de la culture d’une génération à l’autre. Les origines de ce chant sont quelque peu obscures, mais il semblerait qu’il soit né de croyances spirituelles, de la nécessité de perpétuer les contes merveilleux de la littérature orale (en dialecte local) mais aussi de joutes entre partenaires de sexes opposés.

Il existe plus d’une quinzaine de formes différentes de Mo Lam, suivant le nombre d’interprètes. Le Mo Lam se donne aussi bien dans le cadre familial que lors de grandes fêtes villageoises collectives.

Des histoires sacrées du Bouddha ou Jataka (les 550 vies du Bouddha et de ses réincarnations) aux légendes de villages en passant par les récits d’actualité, les chants d’amour, et les hommages à la nature, le Mo Lam, qui donne lieu à d’incroyables compétitions improvisées, couvre un répertoire important de registres.

La beauté particulière de ce chant réside dans le jeu constant et ambigu du parlé-chanté chatoyant, flirtant avec les lignes mélodiques et rythmiques du khène, dans la dextérité, la capacité d’improvisation et d’imagination du chanteur puisant son inspiration dans les accents d’une musique hypnotique qui jamais ne s’arrête.

Le chant lointain du Mo Lam tourne comme une roue sans fin, captivant l’oreille et convoquant l’imaginaire de chacun pour fertiliser et faire sourdre nos souvenirs les plus enfouis, faire revivre nos émotions les plus secrètes.

Dans son cheminement poétique, la voix opère le dévoilement thérapeutique de nos univers intérieurs révélés par la magie du verbe fait chair.

La complexité des mélodies de l’Isaan comme du Lanna témoignent d’un fond culturel rural certes, mais hautement sophistiqué et raffiné. Héritiers de la douceur et de la délicatesse des musiques du Nord d’inspiration chinoise, les musiques de l’Isaan recèlent aussi une énergie tout à fait extraordinaire, celle qui semble sourdre du cœur des hommes, naître directement d’une volonté incroyable de vivre, de la scansion du chant porté par la propulsion quasi mécanique de l’air hors des tuyaux de l’orgue à bouche.

Musiques et chants du Lanna (Nord)
Chant Saw et Ensemble Pi-joom de Chiang Mai

Histoire du Lanna
Fondé en 1296, le royaume de Lan Na, dont la capitale est Chiang Mai, atteint son apogée au 15ème siècle. Il devient ensuite un enjeu dans les luttes entre les Birmans qui prennent Chiang Mai en 1556 et les Siamois. En 1595, le Lan Na reconnaît la suzeraineté du roi siamois Naresuen. Réoccupé par les Birmans de 1762 à 1775, le Lan Na sera définitivement annexé au Siam à la fin du 19ème siècle. Ayant connu 7 ans d’autonomie, le Nord de la Thaïlande conserve aujourd’hui son particularisme, qui se manifeste notamment dans ses dialectes et ses musiques.

Instrument représentatif de la culture Lanna, connue dès le 13ème siècle pour la prospérité de ses provinces (Chiang Rai, Lumpang, Lumpun, Phayao, Prae, Nan, Mae Hong Son, Chiang Mai), le Pi, ancêtre du Khène, est un tuyau à anche libre en bambou que le musicien rentre de façon oblique dans sa bouche pour jouer, utilisant la méthode de la respiration continue.

Proche du bawu chinois et du dja mblai vietnamien, le Pi est l’instrument privilégié du Nord de la Thaïlande, mais aussi l’apanage du peuple Poothai du Nord-Est de la Thaïlande, là où le puzzle ethnique (Myanmar, Laos, Thaïlande) et les échanges culturels ont fertilisé et stimulé la création artistique. La anche insérée à quelques centimètres de l’embouchure est fabriquée après aplanissement d’une pièce de monnaie métallique que l’on rend fine comme du papier à cigarette, ensuite découpée en rectangle et placée dans l’instrument. Les premiers tuyaux à anche libre découleraient vraisemblablement de la guimbarde, née en Asie du Sud-est et qui se serait répandu dans les Iles du Pacifique via l’Indonésie (cf. guimbarde genggong de Bali).

Le tuyau à anche libre avait aussi autrefois pour vocation d’imiter le chant des grenouilles lors de rituels sacrés. Par ailleurs, le Pi, de taille variable, possède l’autre particularité de pouvoir reproduire la tessiture de la voix humaine.

L’ensemble Pi-joom s’organise autour de quatre Pi de tailles différentes, d’un grand lute sueng et d’un duo chanteur/chanteuse. Comme le Mo Lam, le chant Saw occupe une place très importante dans l’univers culturel de la Thaïlande septentrionale et requiert de la part du conteur une mémoire infaillible et un vrai sens de l’improvisation.

Initialement jouée pour les célébrations des temples, les ordinations de jeunes bonzes, pour honorer et inaugurer de nouvelles constructions, la musique Pi-joom, en partie improvisée, fait une large place à la voix, au chant, à la narration oubliant par là-même les percussions dans sa composition organologique.La voix du chanteur, très douce, nous invite dans un tourbillons de mots portés par la suavité des « flûtes » : références aux villages, aux propriétaires du lieu, aux ancêtres, aux esprits, au Bouddha, aux contes et légendes populaires s’enchaînent dans une forme circulaire mais ponctuée, le poème.

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