von Günther Ruffert Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier die Rezension oder bestellen Sie online: Geschichten aus Thailand, Farang in Thailand. Als die Gesetze unseres Landes weitgehend beachtender Europäer, werden wir kaum je in die Lage geraten, ein Gefängnis von innen zu sehen. Sollte es aber unglücklicherweise doch einmal dazu kommen, etwa weil man alkoholisiert einen bösen Unfall verursacht, oder das Finanzamt zu unverschämt angelogen hat, dann kann man damit rechnen, daß auch im Gefängnis zivilisierte Zustände herrschen, und daß die Mühlen der Justiz nach genau festgelegten, und im Zweifelsfalle immer für den Beschuldigten auszulegenden Regeln funktionieren. Wer allerdings in Thailand das Pech hat, in das Räderwerk der Justiz zu geraten, wird bald feststellen, daß sich hier die Verhältnisse fundamental von denen in Deutschland unterscheiden. Da sind zunächst einmal die Anlässe, aus denen man im Gefängnis landen kann. Die sicherste Möglichkeit ist natürlich der Besitz von, oder gar der Handel mit Rauschgift. Da z.B. Heroin in Deutschland für den hundertfachen Preis verkauft werden kann, den man im 'Goldenen Dreieck' dafür bezahlt, gibt es immer wieder Dumme, die auf diese vermeintliche Möglichkeit, eine schnelle Mark zu verdienen, hereinfallen und entweder auf eigene Rechnung, oder im Auftrag anonymer Auftraggeber Heroin aus dem Land schmuggeln wollen. Das läuft dann meist nach dem folgenden Schema ab: Ein Händler in Chiang Mai oder Chiang Rai verkauft einem Ausländer Heroin und bekommt gutes Geld dafür. Anschließend gibt er sofort der Polizei die Beschreibung der Person oder das Kennzeichen seines Fahrzeuges an, so daß diese sich an seine Fersen heften kann. Im Hotel in Bangkok, oder aber bei der Gepäckkontrolle auf dem Flughafen schlägt dann die Polizei zu. Der den Tip gebende Verkäufer bekommt eine Belohnung, und die Polizei kann im Kampf gegen den Rauschgifthandel wieder Erfolge melden, was wiederum von der in Thailand stark vertretenen amerikanischen Rauschgiftbehörde entsprechend belohnt wird. Das beschlagnahmte Heroin geht wahrscheinlich wieder an seinen Herkunftsort zurück, um den nächsten dummen Ausländer damit reinzulegen. Der verhaftete Heroinschmuggler muß hingegen mit der ganzen Strenge der thailändischen Gesetze rechnen, die für das Schmuggeln von Rauschgift schwere Gefängnisstrafen bis zu lebenslänglich, und sogar die Todesstrafe vorsehen. Im günstigsten Falle wird der Sünder mit mehreren Jahren in thailändischen Gefängnissen, das heißt in der Hölle, davon kommen. Das aber nur, wenn seine Familie in der Lage ist, die immensen Summen aufzubringen, die für die Bezahlung zweifelhafter Anwälte und das Schmieren der zuständigen Leute erforderlich sind. Nun wird sich jeder vernünftige Tourist hüten, sich auf solch ein gefährliches Spiel einzulassen. Dennoch kann es auch ihm passieren, daß er für kleine Vergehen, die bei uns höchstens eine Anzeige mit Bußgeld kosten würden, plötzlich im Gefängnis landet, und eine Menge Zeit, sowie Geld braucht, um wieder raus zu kommen. Ein Motorradunfall, bei dem ein Thai verletzt, oder auch nur sein Fahrzeug beschädigt wird, kann für den Farang schnell zu einer Straftat werden, selbst wenn er den Unfall selbst nicht verschuldet hat. Es hat dann vor allem keinen Zweck sich mit der herbeigerufenen Polizisten anzulegen, weil man meint selbst unschuldig zu sein. Man landet dann sehr schnell erst mal hinter Gittern und kommt nur gegen Zahlung einer saftigen Kautionssumme wieder auf freien Fuß. Ein zur Klärung der Sachlage und vor allem zum Wiedererlangung der Kaution hinzugezogener Rechtsanwalt ist teuer und verlangt oft Unsummen, ohne klarzulegen wofür. Auch wenn man sich bei einem Streit dazu hinreißen läßt einen Thai zu schlagen, auch wenn beide Kontrahenten unter Alkoholeinfluß stehen, landet der Farang in der Regel ungeachtet der Schuldfrage erst mal im Gefängnis, und kann froh sein, wenn er ohne Anklage mit einem Bestechungsgeld für die Beamten davonkommt. Eine weitere Möglichkeit, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten ist das in Thailand verbotene Glücksspiel oder das Spiel um Geld. Es ist schon vorgekommen, das einige Farangs, an einem schönen Samstag Nachmittag vor einer offenen Bar sitzend, mit den Barmädchen auf der Theke Domino gespielt haben, das Spiel um 5 Baht (25 Pfennig). Plötzlich hat sich ein ebenfalls an der Theke sitzender Thai als Polizist ausgewiesen, und die ganze Truppe, Barmädchen und Farangs, wanderte ins Polizeigefängnis. Da es Samstag war, mußten sie zwei Tage dort sitzen, bis am Montag der Schnellrichter kam und sie zu saftigen Geldstrafen verurteilte. Die Mädchen kamen mit 1.000 Baht pro Kopf davon, die Farangs zahlten ein Mehrfaches dieses Betrages - ein teures Dominospiel ! Ein wichtiges Rechtsprinzip muß der Farang beachten. Wenn die Polizei Verdacht auf einen Gesetzesverstoß hat, geht er erst mal ins Gefängnis, wenn er keine Kaution bezahlen kann. Um die Kaution zurückzubekommen, muß er zum einen seine Unschuld beweisen, zum anderen lange kämpfen, und viele bürokratische Hindernisse überwinden. Thailändische Gefängnisse sind nun nicht mit deutschen Haftanstalten zu vergleichen. Örtliche Polizeigefängnisse bestehen meist aus mehreren Zellen von ca. 10 m², die beiderseits eines Mittelgangs angeordnet sind. Der Boden besteht aus Beton, in der Ecke befindet sich eine meist verstopfte Toilette. Die Zellen sind gewöhnlich hoffnungslos überfüllt, da nicht nur die kleinen Missetäter dort ihre paar Tage absitzen, sondern auch alle Mörder, Diebe, Rauschgiftschmuggler usw. dort so lange aufbewahrt werden, bis sie ins Bezirksgefängnis oder nach Bangkok zur Verhandlung abtransportiert werden. Schlafen kann man oft nur im Sitzen. Findet man wirklich Platz zum Liegen, hat man entweder die ungewaschenen Füße des Nachbarn im Gesicht oder dient gleichzeitig als Kopfkissen für mehrere Mitbewohner. Es stinkt natürlich erbärmlich und ist dazu noch unerträglich heiß. Zu essen gibt es zweimal täglich eine Handvoll Reis, mit etwas Fleisch und Gemüse auf einem alten Stück Zeitungspapier serviert. Kurz, wer einmal ein paar Tage in solch einem Hotel verbracht hat, wird jede aufzubringende Summe zahlen, um es schnellstens wieder verlassen zu können. Über die Verhältnisse in den regelrechten Strafanstalten, in die rechtskräftig Verurteilte verlegt werden, sind schon einige Erzählungen erschienen, die - mit Ausnahme der Selektionen für die Gasöfen - sich nicht sehr von den Berichten über die Zustände in deutschen KZs unterscheiden. Gefangene mit schweren Strafen tragen Ketten und werden nachts damit angeschlossen. Allerdings ist es auch hier wie überall in Thailand möglich, die Standardbedingungen durch entsprechende Zahlungen an das Wachpersonal stark zu verbessern. Das setzt natürlich voraus, daß jemand außerhalb des Gefängnisses bereit und in der Lage ist, die nötigen Mittel aufzubringen. Kommentare |