von Günther Ruffert Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier die Rezension oder bestellen Sie online: Geschichten aus Thailand, Farang in Thailand. Wie bei uns, gibt es auch in Thailand eine ganze Reihe von Telefondiensten. Zeitansage, Wetterbericht, Horoskope u.s.w. können an- oder abgerufen werden. Eine neue interessante Einrichtung sind aber Karaoke - Nummern. Man ruft an, hört die Musik, und kann dazu laut seinen Gesang in den Hörer schmettern. Ich weiß allerdings nicht was daran so interessant sein soll, nur seine eigene Stimme zu hören. Ein schönes Lied in der Badewanne gesungen erfüllt für mich den gleichen Zweck , und spart mir die Telefonkosten. Während bei uns diese Abart der geräuschvollen Unterhaltung weniger bekannt ist, ist der Karaoke Telefondienst aber ein typisches Zeichen für das Karaoke Fieber, das von Japan her kommend in den letzten Jahren Thailand ergriffen hat. Thais hören gerne Musik und singen gerne. Selbst in ländlichen Gegenden gibt es überall kleine Restaurants, von den Farangs auch "sing-a-song" genannt, wo man nicht nur essen und trinken, sondern auch einer wechselnden Reihe von jungen, mehr oder weniger talentierten Sängerinnen zuhören kann. Es kommt dann auch nicht selten vor, daß ein Gast auf die Bühne klettert, sich das Mikrophon greift, und die anderen Gästen mit einem eigenen Beitrag erfreut, oder auf die Nerven geht. Hierbei gehen dann leider meist zwei Thai – Leidenschaften eine unheilige Allianz ein : die Freude am Singen und die Freude am Alkohol. In größeren Orten, und natürlich vor allem in den Fremdenverkehrszentren, gibt es schon länger sogenannte Karaoke – Bars, wo man im Halbdunkeln sitzend, auf einer großen Leinwand die Texte zu dem gerade laufenden Song ablesen und mitsingen kann. Wie ein Menü bekommt man eine Mappe mit vielen hundert Thai- und Farang - Songs angeboten. Man sucht sich eine Nummer aus, bestellt sie bei der Kellnerin, bekommt dann das Mikrophon in die Hand gedrückt, und kann sich dann an dem aus den Lautsprecher dröhnenden eigenen Gesang erfreuen, und allen anderen Gästen den Nerv rauben. Besonders lustig ist es, wenn Thais oder auch Japaner, die diese Kunstform besonders lieben, versuchen mit den phonetisch geschriebenen Texten von Farang Liedern klar zu kommen. Eines meiner Lieblingslieder ist z. B. Frank Sinatras "My Way". Unglücklicherweise ist der Song auch bei Japanern sehr beliebt, und ich bin jedesmal dem Herzinfarkt nahe, wenn ich anhören muss, wie ein Bewohner Nippons mit seinem Geheule und Gestammel den Song und meine Ohren malträtiert. Glücklicherweise gibt es in vielen dieser Etablissements auch kleinere Privaträume, wo man dann mit einem netten Mädchen - das bei Bedarf gerne zur Verfügung gestellt wird - oder mit ein paar Freunden in privater Runde seinem Hobby frönen kann, ohne sich vor einem ganzen Lokal zu blamieren. Neuerdings tauchen auch auf den Dörfern immer mehr Karaoke - Automaten auf. Es sind mit einem Bildschirm und einem Mikrophon ausgerüstete Musikautomaten. Man wirft 5 Baht ein und kann dann aus einer großen Anzahl von Songs sein Lieblingslied auswählen, sich das Mikrophon greifen, und den Freunden zeigen was man für ein guter Sänger ist. Ein Riesenspaß für die Dorfjugend, aber weniger für die Nachbarn, weil Thais nur dann Spaß an der Musik haben, wenn die Lautsprecher voll aufgedreht sind, so daß die Boxen zittern. Bei normaler Lautstärke haben sie irgendwie das Gefühl nicht den vollen Gegenwert für ihr Geld zu bekommen. Kommentare |