baanthai Magazin - Khmertempel im Grenzgebiet zu Kambodscha von Günther Ruffert
Khmertempel im Grenzgebiet zu Kambodscha

von Günther Ruffert

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier die Rezension oder bestellen Sie online: Geschichten aus Thailand, Farang in Thailand.

Jedermann hat schon von Angkor-Wat gehört oder gelesen, der riesigen Tempelruine in Kambodscha, die erst Anfang des letzten Jahrhunderts von französischen Archäologen entdeckt und in jahrzehntelanger Arbeit freigelegt wurde. Im What-Phra-Keo, neben dem Königspalast in Bangkok steht ein großes Model dieser weltberühmten Tempelanlage, und viele Touristen fliegen von Bangkok nach Phnom Penh in Kambodscha, um von dort eine anstrengende Busreise zur Besichtigung von Angkor-Wat zu unternehmen.

Weniger bekannt ist es hingegen, daß es auch in Thailand, im Grenzgebiet zu Kambodscha eine ganze Reihe sehenswerter Khmerruinen gibt aus der Zeit, als das Großreich der Khmer zu Beginn des letzten Jahrtausend weit über die Grenzen des heutigen Kambodscha hinausreichte und weite Teile des heutigen Laos und Thailands umfaßte .

Wie die Pharaonen hatten die brahmanischen Herrscher Kamputscheas unter Einsatz von riesigen Sklavenherden ihre Macht durch himmelstürmende Monumente verewigen wollen. Mit dem Untergang des Brahmamismus und dem Vordringen des Buddhismus, wie auch mit dem Niedergang der Macht der kampudscheanischen Gottkönige wurden die Monumente dieser Kultur von den Menschen verlassen und schnell vom gefräßigen Dschungel so überwuchert, daß sie bald in Vergessenheit gerieten. Die Eingeborenen die noch von diesen Ruinen wußten, fürchteten sich vor den dort hausenden Geistern und hüteten sich in ihre Nähe zu kommen.

Erst als sich in der französischen Kolonialzeit europäische Archäologen für diese alten Kulturzeugnisse zu interessieren begannen, wurden die Ruinen langsam der Vergessenheit entrissen. In dem Maße wie die für die Freilegung der Ruinen von den Archäologen angeheuerten Eingeborenen ihre Scheu vor den Geistern in den Ruinen verloren, begannen sie auch interessante Skulpturen oder Teile davon wie Köpfe von Naga-Schlangen, mit denen die Mauern reichlich geschmückt waren abzuschlagen und an europäische Liebhaber zu verhökern. Wo die Ruinen nicht zu weit von einem Dorf lagen wurden sie sogar als Steinbruch für den Bau von Häusern und Straßen genutzt.

Erst nach dem letzten Kriege begann die Regierung in Bangkok sich dieses alten Kulturgut auf thailändischem Boden bewußt zu werden und erließ Gesetze zum Schutz der Ruinen. Mit Hilfe und vor allem mit den Geldern der UNESCO begann man damit die Anlagen vollständig freizulegen und so weit wie möglich zu restaurieren.

Die bekannteste und größte dieser Tempelanlage ist wohl Phra-Vihan etwa 150 km südwestlich von Ubon. Die Ruinen liegen direkt an der Grenze schon auf kambodschanischen Gebiet, können aber nur von thailändischem Boden aus betreten werden. Ein kambodschanisches Visa ist für den Besuch dieser Tempel nicht erforderlich, wohl aber eine gute Kondition, um bei glühender Hitze mehrere hundert zum Teil verfallene Stufen zu erklettern und zu den auf der Spitze des Berges liegenden Ruinen zu gelangen. Die Größe der Anlage ist erstaunlich, vor allem wenn man bedenkt, mit welchen technischen Mitteln vor 1000 Jahren die riesigen Steinblöcke herangeschafft und aufeinander getürmt wurden. Obwohl die Anlage von Thailand erschlossen, aber noch nicht restauriert wurde (es ist ja kambodschanisches Staatsgebiet), unternehmen täglich mehrere tausend, an Wochenenden auch mehrere zehntausend Thais die mühsame Pilgerfahrt zu der weit ab von bewohnten Gebieten auf dem Berggipfel liegenden Kultstätte. Außer den dort zu besichtigenden Überresten der alten Tempelanlage, hat man von dort oben einen guten Blick weit in das kambodschanische Land. Die kambodschanische Armee hat deshalb dort oben auch einen Beobachtungsposten und ein paar Unterstände eingerichtet. Der steile Bergpfad ist auf beiden Seiten von Andenkenbuden kambodschanischer Händler gesäumt, in denen man, wie auch rund um den großen Parkplatz, alles mögliche zu erstaunlich billigen Preisen erstehen kann.

Sehenswerte Khmertempel bzw. –ruinen gibt es auch in der Provinz Surin. In der Nähe von Prakonchai gibt es z.B. zwei interessante Anlagen. Bei der einen, der Tempelruine Phanom-Rung handelt es sich wie bei Phra-Vihan um einen auf einem Berggipfel erbauten Khmertempel. Die Anlage ist nicht so groß wie Phra-Vihan, wer aber die vielen Stufen bis zu den Ruinen erklommen hat, weiß auch dort, daß Khmertempel zwar interessant zu besichtigen sind, daß sie dem europäischen Touristen aber einige Kondition abverlangen. Zum Glück kann man sich auch hier in den vielen um den Parkplatz herum gelegenen kleinen Thai Restaurants bei einer guten Flasche Bier und einem gebratenen Hähnchen von den Strapazen erholen.

Wesentlich leichter fällt die Besichtigung der ebenfalls in der Nähe von Prakonchai gelegenen Tempelanlage Prasat Muang Tam. Diese relativ kleine Anlage liegt zu ebener Erde neben einem von den Khmer seinerzeit angelegten künstlichen See. Der Tempel ist inmitten einer gepflegten Parkanlage vollständig restauriert worden und gibt einen guten Eindruck der damaligen brahmanischen Klosteranlagen.

Alle hier beschriebenen Anlagen haben den Nachteil, daß sie weitab von allen Verkehrsverbindungen liegen. Man braucht also für den Besuch ein eigenes Fahrzeug, oder man schließt sich einer Bustour an, die von den in diesem Gebiet gelegenen Hotels angeboten werden.

Mit örtlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist dagegen die kleinere Tempelanlage Prasat Muan Tot, direkt an der kambodschanischen Grenze. Man fährt vom zentralen Busbahnhof in Surin mit einem lokalen Bus etwa 2 Stunden über Prasat bis zum Dorf Bahn Tamian (Endstation). Dort kann man an der Bushaltestelle für 100 –150 Baht ein Motorradtaxi mit Fahrer mieten, der einen dann über eine z.Zt (7/00) noch im Ausbau befindliche Asphaltstraße ca. 10 km bis zu den mitten im Busch gelegenen Ruinen bringt. Diese Tempelanlage ist besonders interessant für Leute, die gerne den ursprünglichen Zustand der Ruinen sehen möchten. Man hat zwar auch hier etwas mit Restaurieren begonnen, dann ist aber wohl das von der Unesco zur Verfügung gestellte Geld ausgegangen, so daß man sich weitgehend darauf beschränkt hat, die Anlage vom umgebenden Busch freizulegen. Die Ruinen liegen wie gesagt direkt an der kambodschanischen Grenze und werden von Grenztruppen bewacht. Direkt hinter den letzten Steinen beginnt der weglose kambodschanische Busch. Es ist auch nicht ratsam hier von den freigelegten Wegen abzuweichen, da im Busch immer noch Minen aus der Zeit der roten Khmer liegen. Diese Anlage ist im Gegensatz zu den oben geschilderten Örtlichkeiten kaum bekannt, und nur alle paar Tage verirrt sich mal ein Tourist hierher.

Es gibt also wie aufgezeigt für archäologisch interessierte Thailand–Touristen auch die Möglichkeit die Überreste der vor ca. 1000 Jahren hier blühenden Khmerkultur zu besichtigen, ohne die kostspielige und beschwerliche Reise nach Angkor-Wat in Kambodscha zu unternehmen.

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