von Günther Ruffert Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier die Rezension oder bestellen Sie online: Geschichten aus Thailand, Farang in Thailand. In Thailand gehört eine möglichst ordentliche Kleidung zu dem, was in Asien allgemein mit dem Begriff 'Gesicht' gemeint ist, und Gesicht ist in Thailand alles. Die erste Möglichkeit, die der Thai hat um einen Fremden einzuordnen, ist nach seiner Kleidung. Jeder Angestellte in Bangkok, egal ob in einem Büro oder in einer Bank arbeitend, kommt in Schlips und Kragen zur Arbeit. Wer sich ordentlich anzieht zeigt damit auch, das er ein höflicher Mensch (khon suparp) ist. Durch eine ordentliche Kleidung bekommt man nicht nur selber Gesicht, sondern zeigt auch dem Kunden mit dem man zusammentrifft, daß man ihn respektiert. Auch die Lehrer tragen einen Schlips in der Schule, ohne Schlips würden sie bei den Kindern an Respekt verlieren. Auch wenn es noch so heiß ist, der Farang der in Bangkok Geschäfte machen will, muss sich gefälligst einen Binder um den Hals würgen, und sich in ein langärmeliges Hemd, besser noch ein Jackett zwängen. Als Prinz Phillip in Thailand zu Besuch war, machte es großen Eindruck, daß er den ganzen Tag in einem makellos weißen Anzug herumlief, obwohl er bei der herrschenden Hitze darin beinahe eingehen mußte. Für den Farang Tourist gilt allgemein eine legere Kleiderordnung, aber wenn man sich wie ein Hanswurst kleidet, wird man auch als solcher eingeschätzt und behandelt werden. Vor allem Backpacker sind oft der Meinung, daß es zu ihrem Verständnis als freie Menschen gehört, so abgerissen wie möglich herumzulaufen. Dafür haben Thais wenig Verständnis, denn ein Farang der soviel Geld hat, um den teuren Flug von Europa nach Bangkok zu bezahlen, müßte auch in der Lage sein, sich ein ordentliches Hemd zu kaufen. Gewiß laufen auch in Thailand, vor allem in den Slums in Bangkok und den ärmeren Provinzen im Osten und Nordosten viele Menschen abgerissen herum. Hier ist das aber bittere Notwendigkeit, da sie zu arm sind, um sich anständige Kleidung zu kaufen. Wenn aber 'reiche' Farangs wie die Strauchdiebe herumlaufen, dann verlieren sie damit ihr Gesicht bei den Einheimischen, und dürfen sich nicht wundern, wenn sie entsprechend ihrem zur Schau gestellten Status behandelt werden. Das gilt auch für die Farangs die nachts in T-Shirts, Boxer-Shorts und Badelatschen durch die Go-Go-Bars und Diskotheken Pattayas schlürfen. Man lächelt sie zwar an, und bedient sie mit Drinks – denn sie sind ja Gäste und bringen Geld – schätzt sie aber im Stillen als "Farang - Kie-Nok" ein. Obwohl wie schon gesagt für den Farang-Touristen eine legerere Kleiderordnung gilt, gibt es doch Gelegenheiten, wo das Verständnis der Thais von dem was eine angemessene Kleidung ist, den Farang verständnislos mit dem Kopf schütteln laesst. So gelten in einem Land, wo wegen der Hitze Sandalen die bequemste Fußbekleidung sind, und wo 80 % der Bevölkerung Sandalen tragen, für Farangs selbst maßgeschneiderte Farang-Sandalen als unschicklich und werden beim Besuch des Königspalastes nicht zugelassen. Als ich vor einiger Zeit mit einer deutschen Bekannten, die in Bangkok zu Besuch war Wat Phra Kheo und den Königspalast besuchte, wurde ihr – trotz ordnungsgemäß teuer gekauften Ticket – der Eintritt verweigert, weil sie Sandalen ohne Hackenriemen, also sogenannte Slipper trug. Wenn uns diese Kleiderordnung auch als etwas diskriminierend vorkam – denn Thai-Besucher konnten problemlos mit Slippern passieren – so half mein im besten Thai vorgebrachter Protest nichts. Wir mußten zurück zu einem Raum, wo wir ein paar vorschriftsmäßige Schuhe für meine Bekannte leihen konnten. Für mich, als mit den unendlichen Möglichkeiten der Thais den Farangs Geld abzuknöpfen vertrauter Resident, war es aber eine Überraschung, daß wir für die geliehenen Schuhe kein Geld zahlen, sondern nur die modischen Slipper als Pfand da lassen mußten, die wir dann bei Rückgabe der Leihschuhe wieder in Empfang nehmen konnten. Es war also nicht der Versuch den Farangs wieder ein paar zusätzliche Baht aus dem Kreuz zu leiern, sondern die Bestimmung, daß alle Besucher das Wat in angemessener Kleidung betreten müssen. Und Slipper sind eben für Thais angemessen, für Farangs aber nicht ! Kommentare |