baanthai Magazin - Kitik von Günther Ruffert
Kritik

von Günther Ruffert

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier die Rezension oder bestellen Sie online: Geschichten aus Thailand, Farang in Thailand.

Mit Kritik, sowohl über das Land, als auch mit persönlicher Kritik, sollte man bei den Thais vorsichtig sein. Gewiß kann man über die Hitze stöhnen, über die Autoabgase und die Überflutungen in Bangkok und auch über die Polizei (nur nicht einem Polizisten gegenüber). Schließlich klagen die Thais bei jeder Gelegenheit selbst über all diese unerquicklichen Dinge. Vorsichtig muß man aber sein, wenn man die sozialen Verhältnisse in diesem Land kritisiert, die sicherlich in vielen Dingen nicht europäischem Standard entsprechen.

In Thailand gehen nun mal die Uhren anders. Das betrifft nicht nur den Stundenzeiger, sondern sowohl die gesellschaftlichen Zustände wie auch das Geschäftsleben ganz allgemein. Wenn der Farang der hier seinen Lebensunterhalt verdient, oder sich für dieses Land besonders interessiert, auch manchmal aus der Haut fahren möchte, wenn ihm die lässige Art der Thais mit allen Dingen umzugehen gegen den Strich geht, oder sein gutes Geld kostet, so tut er doch gut daran sich davon nicht bis zum Herzinfarkt treiben zu lassen. Jeder der hier länger lebt wird die Erfahrung gemacht haben, daß es ein vergebliches Unterfangen ist, einen Thai mit noch so einleuchtenden logischen Argumenten von einer vorgefaßten Meinung abbringen zu wollen.

Wir Farangs sind aber nur Gäste hier, und die Thais können erwarten, daß wir sie ihre eigenen Angelegenheiten auf ihre Weise regeln lassen. Das heißt nun nicht etwa, das wir in Thailand lebenden Farangs mit Scheuklappen durch die Gegend laufen, und uns zu den politischen und wirtschaftlichen Geschehen nicht auch unsere eigene Meinung bilden. Es ist aber grundsätzlich nicht Sache der Gäste in diesem Land, z.B. in Leserbriefen den Thais gute Ratschläge zu geben, oder Regierungsmaßnahmen zu kritisieren.

Falls allerdings diese Regierungsmaßnahmen den Farang direkt betreffen, oder nach unserer Auffassung diskriminieren, wie gesetzliche Vorschriften die den Farang in wirtschaftlichen Dingen benachteiligen und schlechter stellen als einen Thai, dann muß uns auch gestattet sein, dazu in geziemender Form öffentlich kritisch Stellung zu nehmen.

Ganz vorsichtig mit Kritik sollen aber all die sein, die meinen sich über das Treiben in Pattaya oder Phuket entrüsten zu müssen. Ohne Farangs die das Geld hierher schleppen und sich mit den Mädchen amüsieren wollen, keine Bars mit Mädchen, und ohne Ladybars keine Sextouristen. So einfach ist das, und es ist müßig darüber zu streiten, wer eher da war, das Ei oder die Henne. Das die schon immer lockeren Sitten hier in den letzten Jahren immer mehr abgesunken sind, haben in erster Linie die Farangs zu verantworten, die meinen sich für ihr Geld ein Benehmen wie Sklavenhändler leisten zu können.

Fehl am Platze sind auch die Leserbriefe von Farangs, die sich darüber beschweren, daß sie von einer Barlady abgezockt worden sind. Zum Abzocken gehören immer zwei, einer der abzockt und einer der sich abzocken läßt. Die Mädchen hocken nicht an der Bar weil sie nachts nicht schlafen können, sondern weil sie Geld verdienen wollen. Wer das trotz der guten Ratschläge in den hier erscheinenden deutschsprachigen Zeitschriften oder der einschlägigen Literatur noch nicht begriffen hat, der sollte hinterher wenigstens den Mund halten und seinen Verlust als Hilfe für die dritte Welt abbuchen.

Empfindlich sind die Thais aber vor allem gegen persönliche Kritik. Sie sind es gewohnt, daß man Kritik jemanden gegenüber nicht direkt äußert. Wenn man einen Thai, womöglich in Gegenwart anderer Leute kritisiert, dann könnte er sein "Gesicht verlieren", eine ganz böse Sache für einen Thai. Dann kann es vorkommen, daß er ausrastet und völlig überzogen reagiert.

Ganz empfindlich sind die Thais gegen Kritik am König und der königliche Familie. Es gibt in Thailand ein Pressegesetz, das negative Äußerungen über den König unter Strafe stellt, das gilt auch für Leserbriefe die Farangs schreiben. Keine Zeitung würde im übrigen solch einen Leserbrief drucken.

Empfehlenswert ist für den Farang der Rat, den Bernhard Trink in seiner wöchentlich in der Bangkok Post erscheinenden Kolumne gibt. Wenn er wieder mal etwas aufgezeigt hat, was dem Farang wunderlich oder gar unsinnig erscheint, ist sein einziger Kommentar dazu "TIT" (That is Thailand).

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