baanthai Magazin - Was zieht uns nach Thailand ? von Günther Ruffert
Was zieht uns nach Thailand ?

von Günther Ruffert

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier die Rezension oder bestellen Sie online: Geschichten aus Thailand, Farang in Thailand.

Im vergangenen Jahr wählten fast eine halbe Million Deutsche Thailand als Urlaubsziel. Was ist es nun, das uns Deutsche über 10.000 Kilometer und 12–15 Flugstunden auf die andere Seite der Welt zieht ?

Thailand ist das Land in Asien, das die meisten Besucher anzieht, und das mit gutem Grund. Es besitzt eine einzigartige Kultur, eine reiche und vielfältige Tradition und reizvolle Naturschönheiten. Man kann die goldverzierten Türme und steil aufragenden Dächer der buddhistischen Tempel bewundern, man findet eindrucksvolle Ruinen versunkener Reiche und noch viele andere Sehenswürdigkeiten, die diesem Königreich, dessen eigenständige Geschichte über 700 Jahr zurückreicht, seine Identität verleihen. Im Norden gibt es noch vom Dschungel bedeckte Berge und verschwiegene Täler mit exotischen Volksstämmen, wie Meos und Karen. An südlichen Gestaden kann man sich abseits des Touristenrummels an noch fast unberührten Stränden und Inseln wie Robinson fühlen. Was immer die persönlichen Interessen und Neigungen des Besuchers sind - Thailand wird vor allem beim ersten Besuch ein einzigartiges Erlebnis sein, voller exotischer Wunder, die man sonst kaum finden kann.

Es gibt allerdings auch manche Dinge in diesem Land, die dem europäischen Besucher wenig anziehend vorkommen. Das ist vor allem die Art und Weise wie man versucht, die - nach Thai-Begriffen - insgesamt reichen Touristen auszunehmen. Das ist ferner die Korruption auf allen Ebenen, und auch die rücksichtslose Art, wie die Thais mit ihren natürlichen Ressourcen umgehen. Jeder Besucher wird dieses Land nach seiner Rückkehr danach beurteilen, wie sich seine persönlichen Erwartungen erfüllt haben. Diese persönlichen Erwartungen sind individuell ganz unterschiedlich. Da gibt es die sogenannten Flugbarkenner (sie kennen von Thailand nur den Flughafen in Bangkok und die Bar in Pattaya, wo sie sich jeden Abend vollaufen lassen und auf Mädchenjagd gehen), kurz gesagt Leute welche nur der Barrummel und Sexbetrieb interessiert. Da sind die Menschen die nach Thailand reisen, um ein paar Wochen an den sandigen und palmengesäumten Stränden, das schöne Wetter zu genießen und sich einfach auszuruhen und Kraft für den täglichen Streß zu tanken. Sie lernen wohl einige landschaftliche Schönheiten, aber kaum die Menschen kennen, mit denen sie nur als dienstbare Geister in Kontakt kommen. Da gibt es aber auch immer mehr Touristen, die außer den Sehenswürdigkeiten, den Stränden im Süden, den tropischen Wäldern im Norden und den goldenen Tempeln im ganzen Land, auch an den Menschen, ihrer Kultur und Lebensweise interessiert sind, und durch Vergleich ihrer eigenen Probleme mit den Lebensumständen der Menschen auch etwas mit nach Hause nehmen wollen, was sie den Tagesstreß mit anderen Augen sehen lässt.

Welches sind nun die Gründe, die den Europäer, oder Farang wie die Thai alle Fremden weißer Hautfarbe, nennen nach Thailand bringen ?

Die Sextouristen

Wenn man als Mann in Deutschland einem Bekannten erzählt, daß man im Urlaub nach Thailand fahren will, geht ein wissendes Lächeln über sein Gesicht das ausdrückt," du bist also auch so einer". An diesem, durch Presse und Fernsehen geprägten Bild Thailands, als ein einziges großes Bordell ist zwar die Regierung in Bangkok nicht ganz unschuldig. Es ist aber eine völlige Verzerrung der Zustände in diesem Land, und eine Beleidigung für die sich überwiegend mit schlecht bezahlter Arbeit ihr mageres Auskommen verdienenden Bewohner des Landes.

Wer als Sextourist nur nach Thailand fährt um seine sexuellen Gelüste zu befriedigen, macht rein kommerziell gesehen ein schlechtes Geschäft. Für die ca. 5000 DM, die ihn ein 3-wöchiger Aufenthalt in Pattaya insgesamt kosten wird, kann er in einem deutschen Bordell seine Lenden billiger erleichtern. Es muss also noch etwas anders sein, was den deutschen Mann zu den Mädchen an den Bars der Touristenhochburgen zieht. Es ist nicht nur der reine Sex, sondern die Mischung aus Anmut und Naivität, die allerdings gepaart ist, mit einem durch wenig moralische Bedenken gehemmtes Bemühen, aus dem verliebten Gockel so viel wie möglich rauszuholen.

Die Urlauber

Es sind aber zunehmend nicht nur alleinstehende Männer, die es nach Pattaya und Phuket zieht, sondern zunehmend auch Ehepaare, die dorthin reisen, um ein paar schöne Urlaubswochen zu verleben. Das Erstaunliche ist nun, daß trotz vieler Dinge, die wie verschmutzte Strände, Lärm und Abzockerei, für deutsche Augen wenig attraktiv sind, trotzdem die meisten im nächsten Urlaub wieder nach Thailand fahren. Sie sind vom "Thailand-Virus" angesteckt worden.

Thailand und vor allem Pattaya ist auch ein Einkaufsparadies Man bekommt hier fast alles preiswerter als in Deutschland. Modische, billige Textilien, die beliebte Thai-Seide, Edelsteine und Schmuck, Gold, von Künstlern gemalte Portraits, Antiquitäten, Töpferwaren, Handarbeiten aus allen Landesteilen, Lackarbeiten und vor allem Imitate sind der Renner.

Obwohl in Thailand seit fast einem Jahrzehnt das Copyright-Gesetz gilt und Pattayas Händler in ständiger Angst vor Razzien der Polizei leben, gibt’s stadtweit Plagiate. Falsche Uhren mit der Aufschrift Rolex oder Breitling, Jeans von Calvin Klein, Windjacken von Ferrari, Sportbekleidung von Nike, Hemden von Boss, sowie Reisetaschen und Koffer von Louis Vuitton, werden überall in den Straßenboutiquen feil geboten. Alles zu einem Bruchteil der in Europa für Originale geforderten Preise

Die Expats

Ist jemand erst mal richtig vom Thailandvirus, befallen, so wird ihm der Gedanke kommen, sein Leben, bzw. den Rest seines Lebens in Thailand, zu verbringen..

Hier gilt natürlich wie in jedem guten Krimi zunächst einmal der Satz "cherchez la femme". Für fast alle war eine Thai-Frau der Anlaß sich in Thailand zu etablieren. Auch wenn die Verbindung nach einiger Zeit wieder in die Brüche geht, wird in den meisten Fällen eine neue Thai-Frau die Stelle einnehmen. Es ist schwer zu definieren, was für Farangs den besonderen Reiz der Thai Frauen ausmacht. Der Traum manches Macho, daß er hier ein unterwürfiges und ihm in allen Dingen zu Diensten stehendes Wesen finden kann, wird bald ausgeträumt sein. Thai-Frauen haben, bei allem sanftmütigen Äußeren einen eisenharten Kopf, und wissen ihre Interessen durchzusetzen. Wenn es geht mit Liebe und Schmeichelei, wenn es sein muss, aber auch mit harten Argumenten. Vor allem haben sie – wie alle Thais – erhebliche Schwierigkeiten, eine andere Meinung als ihre eigene zu akzeptieren. Es sind aber außer den Frauen noch viele andere Dinge die dem Expat an Thailand gefallen, und die ihm das Leben hier anziehender erscheinen lassen als in Old Germany.

Wenn es bei uns in Deutschland kalt und ungemütlich wird, kann man hier tagsüber am Strand liegen und abends draußen sitzend den Sonnenuntergang genießen und mit Freunden ein Bier trinken. Man kann sich auch für wenig Geld in unzähligen kleinen Restaurants und Garküchen satt essen. Die gebotene Auswahl ist nicht zu verachten, und gut schmecken tut es in der Regel auch. Man kann selbst in kleineren Orten abends in einem Thai-Restaurant sitzend beim Essen hübschen Girls auf der Bühne beim Singen zuzuhören und zuzuschauen,

Man kann unter Benutzung eines enggeknüpften Flug-, Schienen- und Busnetzes preiswert im ganzen Land herumreisen. Natürlich kann man auch mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs sein, und da die Treibstoffpreise trotz allem Gejammer der Thais nur einen Bruchteil dessen betragen, was wir an deutschen Tankstellen blechen müssen, ist es gar nicht mal so teuer. Vorsicht ist allerdings beim Straßenverkehr immer geboten, da Thai - Fahrer die Existenz anderer Verkehrsteilnehmer nur als ärgerliche Tatsache zur Kenntnis nehmen. Ein Grossteil der Fahrer hat keinen Führerschein. Wenn sie aber einen Führerschein besitzen, haben sie zu dessen Erwerb bestenfalls eine rudimentaire Kenntnis der Verkehrszeichen nachweisen müssen. Eine Pflicht zum Besuch einer Fahrschule, mit anschließendem Nachweis der erworbenen Fahrkünste kennt man in Thailand nicht.

Es gibt natürlich auch Dinge in Thailand, die den Farang stören, oder gegen den Strich gehen. Wenn er aber erst mal gelernt hat, all die Dinge die nicht so laufen wie man es von zu Hause gewohnt ist, mit einer gewissen Toleranz zu betrachten, dann werden im Laufe der Zeit diese störenden Dinge in den Hintergrund treten. Wer allerdings erwartet, daß er alles hier so vorfindet wie zu Hause, oder meint, daß die Thais sich so verhalten müßten, wie er es sein Leben lang von seinen Mitmenschen gewohnt war, der wird hier nicht glücklich werden. Um ein zufriedenstellendes Zusammenleben und Akzeptanz in einer Thai-Umgebung zu erreichen braucht es eine nicht geringe Anpassungsfähigkeit an Land, Leute und Kultur, vor allem muss die Toleranzgrenze weit höher liegen als in Europa. Natürlich hat jeder sein eigenes Rezept, um sich mit den Gegebenheiten des Landes zu arrangieren. Wenn man hier im Land leben will, wird man je nach den eigenen Charaktereigenschaften all die Dinge die einem zunächst auf die Nerven gehen verdrängen, verarbeiten, oder phlegmatisch tolerieren. Um als Farang in Thailand zufrieden zu leben, ist es erforderlich die Thai-Gesellschaft zu verstehen. Verstehen heißt nicht etwa alles gutheißen, auch mir geht in Thailand manches gegen den Strich, und gegen meine angeborene oder angelernte Auffassung von Sauberkeit, Ordnung und vernünftigen Leben. Es ist aber doch wohl unbestritten, daß wir Farangs anders fühlen, denken und handeln wie Thais. Man muss dann als vernünftiger Mensch auch akzeptieren, daß die Thais in ihren Land so leben, wie sie es gewohnt sind, und nicht wie man als Farang es gerne möchte; kurz man muss versuchen sich anzupassen und einzurichten. Das ist zugegebenermaßen nicht immer einfach, und erfordert neben Toleranz, vor allem auch den Willen zu ergründen, warum die Thais so fühlen und handeln, Man sollte vor allem versuchen zu begreifen, daß die Thais die Sache von ihrer Seite her sehen, und sagen "die Farangs fühlen, denken und handeln anders als wir Thais. Aber wenn sie in unserem Land leben, dann sollen sie sich gefälligst an die Spielregeln halten die hier seit Jahrhunderten gelten, und die dafür sorgen, daß unsere Thai Gesellschaft funktioniert."

Unter den Langzeit Residenten hier in Thailand gibt es im wesentlichen 3 Typen:

Da sind zum einen Leute die es geschafft haben, sich eine schöne Existenz aufzubauen, im übrigen aber, außer geschäftlich, mit Thais wenig zu tun haben, und die im übrigen in den Jahren die sie in Thailand leben gelernt haben, mit den Problemen, die sich aus dem beruflichen Kontakt mit Thais ergeben fertig zu werden, ohne einen Herzinfarkt zu bekommen

Da sind dann zum anderen die Leute, meistens Rentner, die das schöne Wetter und das relativ preiswerte Leben in Pattaya oder Phuket genießen, aber ebenfalls außer mit ihrer Bettgenossin kaum Kontakt mit Thais haben. Sie haben sich abgekapselt und leben in einer Enklave.

Und da sind dann zum dritten die Leute, die sich aus unterschiedlichen Gründen dazu entschlossen haben, z.B. im Isaan (da in der Regel die Frau die sie hier hergebracht hat aus dieser Landesgegend kommt) zusammen mit Thais zu leben. Dazu ist zum einen erforderlich, daß man die Verschiedenheit der Thai Denk- und Handlungsweise akzeptiert, und vor allem nicht versucht die Menschen mit denen man zu tun hat zu überzeugen, daß ihr Handeln falsch ist. Natürlich ist es notwendig gewisse Schranken zu setzen und auch durchzusetzen. Hierfür nur ein Beispiel. Jeder Farang der in einer Thai Familie wohnt hat das Problem mit dem Familienkühlschrank. Alle Familienmitglieder bedienen sich ungeniert mit allem was er sich im Supermarkt einkauft, egal ob Bier, Wurst oder Marmelade. Da alles Gerede und Geschimpfe hier auf taube Ohren trifft, ist die einfachste Lösung, sich einen eigenen Kühlschrank zu kaufen, und der ganzen Familie klar zu machen, daß niemand zu diesem Kühlschrank Zutritt hat.

Dieses Land hat dem Farang viel zu bieten. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen mit Thailand und lernt das Land je nach seinem Gesichtspunkt und persönlichen Wertvorstellungen auch von unterschiedlichen Seiten kennen. Der eine war nur da um sich in Pattaya zu amüsieren, der andere hat sich nur Tempel und Museen angeschaut, und der dritte hat sich nur mit seiner (zukünftigen) Frau und deren thailändischer Familie beschäftigt. Die Besucher, die aber bereit sind die Augen und das Herz für die Menschen hier zu öffnen, und auch bereit sind ihre eigene Kultur und Denkweise in Frage zu stellen, die werden sehr oft von einem Syndrom befallen, das man den Thailand-Virus nennen könnte. Sie kommen immer wieder zurück, oder denken gar daran sich auf Dauer in Thailand niederzulassen. oder überlegen zumindest ihren Lebensabend hier zu verbringen.

Kommentar anzeigen / erfassenKommentare
  • Alles anzeigen - Günther Ruffert ( 21.05.2009 17:19:49 Antworten: 0)

  • Alles anzeigen - Thailand-Residenz ( 30.01.2007 17:16:58 Antworten: 0)

  • Alles anzeigen - Leben und Sterben in Thailand!? (Ronny 20.04.2004 22:23:27 Antworten: 8)

  • Besuchen Sie auch Deutsch-Thai Wörterbuch Thaibuch.De Thailand Fotos Phuut Thai .NET Sudoku
    © 2010 und Anbieter · Hans Möller · Wevelinghover Str. 5a · 40547 Düsseldorf · info @ phuutthai.net