baanthai Magazin - Rama V
Phra Chula Chomklao Chaoyuhua

König Phra Chula Chomklao Chaoyuhua war der älteste Sohn von König Rama IV und Königin Dhepsirintaramat und liebte beide gleichermaßen. Sein Vater gab ihm den Spitznamen »Phaw Yai« (big daddy). Sein vollständiger Name ist vielleicht lang aber hat eine gute Bedeutung und wurde in eine Goldplakette namens Suphannabut eingraviert.

König Chula Chomklao, bekannter als Chulalongkorn der Große, war der fünfte König der Chakri Dynastie. Er wurde am 9ten Oktober 1868 gekrönt und starb am 23ten Oktober 1910 nachdem er das Land 42 Jahre und 23 Tage regiert hatte. In der langen Zeit seiner Regentschaft prosperierte Thailand, zur damaligen Zeit noch Siam, in jeder Hinsicht, so daß es den europäischen Mächten nicht möglich war, es zu kolonialisieren während die Nachbarländer unter Fremdherrschaft fielen. Das Hauptziel der Außenpolitik von König Chulalongkorn war der Erhalt der Souveränität Thailands um jeden Preis, dafür trat er 120 Tausend Quadratkilometer nicht zu verteidigendes thailändisches Territorium im Süden an England und im Norden und Nordosten an Frankreich ab. Diese beiden Supermächte erkannten jedoch den Stellenwert eines unabhängigen Thailand als Pufferzone zwischen ihren Kolonien und zogen sich zurück. Viele seiner Anstrengungen zeigen, daß er Thailand eine demokratische Regierungsform verschaffen wollte, obwohl er selbst als absoluter Monarch regierte. Seine Bemühungen in dieser Richtunge können folgendermaßen zusammengefaßt werden:

1. übernahme eines modernen Verwaltungssystems. Seit der Ayutthaya Ära herrschte eine absolute Monarchie, die Verwaltung des Königreiches erfolgte durch vier große Staatsbüros nämlich die Stadtverwaltung, den königlichen Haushalt, Schatzmeisterei und Landwirtschaft, von welchen jedes einem Minister unterstand. Später kamen noch Verteidigung und Zivilverwaltung hinzu. König Rama V glaubte jedoch, daß die Verteilung der Verantwortung nicht modern genug war im Vergleich mit den westlichen Staaten und führte folgende Ministerien ein: Inneres, Verteidigung, Außenpolitik, Stadtwesen, königliche Schatzmeisterei, öffentliche Arbeiten, königlicher Haushalt, Landwirtschaft, Justiz und Religion. Er etablierte auch neue Arbeitsmethoden und delegierte seine Macht.

2. Einführung eines Kabinetts und eines Staatsrates. Der Grund für die Einrichtung dieser beiden Institutionen war die Besprechung wichtiger Angelegenheiten des Königreiches und eine dementsprechende Beratung des Königs. Dies zeigt auch, daß König Chulalaongkorn - auch wenn er absolute Macht besaß - bereit war, sich die Meinung anderer anzuhören, bevor er eine Entscheidung traf.

3. Abschaffung der Sklaverei. König Chulalonkkorn legte fest, daß alle Thais frei und sozial gleichwertig seien. Er erließ ein königliches Gesetz, welches festlegte, daß alle Sklaven in Gruppen nach dem Alter, nämlich Kinder, junge Leute, Erwachsene und alte einzuteilen waren und der Grad der Leibeigenschaft dementsprechend zu reduzieren sei. Durch diese schrittweise Abschaffung der Sklaverei wurden innerhalb von 30 Jahren alle Sklaven befreit. Dieses spezielle Vorhaben von König Chulalongkorn wurde von allen Thais begrüßt und wird auch noch in Zukunft in Erinnerung bleiben.

4. Förderung und Verbesserung des Erziehungswesens. Es wurden Schulen für die Allgemeinheit eingerichtet und Stipendien an hervorragende Schüler vergeben, welche zur Ausbildung nach Europa geschickt wurden. König Chulalongkorn sagte einmal: »Meine Kindern bis hin zu den Kindern in den untersten sozialen Schichten haben die gleiche Möglichkeit zu einer Ausbildung. Wir sollten wissen, daß Bildung das wichtigste aller Dinge ist.«

5. Freiheit des Glaubens. König Chulalongkorn schützte auch alle religiösen Richtungen obwohl er ein gläubiger Buddhist war. Seine Untertanen konnten ihren Glauben ausüben, welcher Richtung er auch war. Als Befürworter der Freiheit des Glaubens verschenkte er sogar Land zur Errichtung von Moscheen und Kirchen.

6. Informelle Besuche. König Rama V war bekannt dafür, inoffizelle Besuche in den Dörfern zu machen, um aus erster Hand zu beobachten. Bei Gelegenheit reiste er anonym als Adeliger oder als Bürgerlicher. Dabei entdeckte er viele Schwachstellen in der Verwaltung und sorgte sofort für Abhilfe. Während dieser Reisen lebte er als normaler Bürger in den Dörfern und genoß das Essen und die Gastfreundschaft der Menschen.

7. Respektierung der Menschenrechte. Dies war Thema eines Briefes, welchen er an den Kronprinzen schrieb während dieser in England studierte. »Denke nicht, daß Du, weil Du der Sohn des Königs bist und die Macht in Deinen Händen hätst, immun bist gegen Bestrafung für deine Vergehen, weil niemand widerspricht oder sich wehrt. Solch eine Einstellung wäre völlig falsch.« Weiter schreibt er: »Du solltest wissen, wann immer Du die erlaubten Bahnen verläßt, wirst Du bestraft werden.«

8. Einführung von Reformen. König Rama V hatte als Reisender bereits vor seiner Krönung viele der Nachbarländer gesehen. Nachdem er zum König gekrönt war, machte er Staatsbesuche in Europa. Er war überzeugt, daß es vorteilhaft für die Sicherheit des Königreiches sei, fremde Mächte als Verbündete zu haben. Der König machte viele Beobachtungen in den bereisten Länderung und studierte das Leben der Menschen dort. Was immer er als geeignet erachtete, übernahm er in sein Konzept der Modernisierung Thailand und achtete dabei stets darauf, alte Traditionen und Werte nicht zu zerstören.

Einige seiner Reformen waren:
1. Abschaffung der uralten Sitte der Niederwerfung in Gegenwart des Königs, statt dessen durften sich die Anwesenden nun hinsetzen oder stehenbleiben.
2. Erlaubnis für Regierungsangestelle, ihr Haar so zu tragen, wie sie wollten und nicht im obligatorischen Mahadthai-Stil, welcher aus einem Bürstenhaarschnitt mit Mittelscheitel bestand. Es wurde ihnen erlaubt, ihr Haar erträglich lang zu tragen. Frauen wurde erlaubt, ihr Haar lang oder kurzgeschnitten zu tragen, so wie sie es wollten.
3. Regierungsbeamte mußten weiße Uniformen ähnlich denen des Militärs und ein Pa Chongkraben als Gürtel tragen. Auch Frauen sollten das Pa Chongkraben tragen, ihnen wurden auch westliche Blusen erlaubt. Die Dorfbevölkerung trug ein langes Tuch um den Oberkörper und warf das Ende über die linke Schulter.
4. Abschaffung der alten Sitte, sich den Schädel zu rasieren, wenn ein König starb.
5. Regierungsbeamte, welche Betel kauten, hatten ihre Zähne zu reinigen.
6. Einführung des gregorianischen Kalenders und der westlichen Monatsnamen anstelle des Mondkalenders.
7. Einführung von Messer und Löffel beim Essen anstatt der Finger wie zuvor zur Verbesserung des hygienischen Standards. Dies wurde zunächst am Königshof eingeführt und später auch von großen Teilen der Beölkerung übernommen.

Es ist nicht möglich, die unzähligen Errungenschaften aus ein paar Seiten aufzulisten. Die beste Beschreibung seiner Regentschaft ist: Das Königreich blühte auf und gedieh. König Rama V war es gelungen, fremde Herrschaft abzuwehren und Thailand die Souveränität zu erhalten. Er wird tief geliebt von den Thailändern für das, was er getan hat und wird auch als Piya Maharaj (Piya der Große) bezeichnet.

Am 23ten Oktober jeden Jahres, einem Nationalfeiertag, kommen Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zum Royal Plaza, um dort dem großen König durch Kranzniederlegungen an seiner Reiterstatue ihre Hochachtung zu zollen.

Der Originaltext stammt von der Assumption University, 1997. übersetzung Hans Möller.

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