
Seine Majestät König Ananda Mahidol (Rama VIII) war der zweite Monarch der Chakri Dynastie, welcher unter der neuen konstitutionellen Monarchie gekrönt wurde. Er wurde im September 1925 im Heidelberg, Deutschand, geboren und war der erste Sohn von Prinz Sonkla Nakarind und Somdej Phra Sri Nakarindhara. Er hatte eine ältere Schwester, Prinzessin Galyani Vadhana und einen jüngeren Bruder Prinz Bhumibol Adulyadej. Im jungen Alter von 10 Jahren wurde er als König Rama VIII gekrönt. Zu dieser Zeit besuchte er eine Schule in der Schweiz. Sein Vater war einer der Söhne König Rama V, der viel für das Land auf medizinischem Gebiet geleistet hat. Seine Mutter war eine interessante Person, welche sich um das Wohl der Leute sorgte. Er verlor seinen Vater mit fünf Jahren. Sowohl seine ältere Schwester als auch sein jüngerer Bruder waren ebenfalls noch sehr jung. Seine Krönung war eine kompette Überraschung und war höchst unerwartet in einer Zeit als die Welt infolge der weltweiten wirtschaftlichen Rezension im Umbruch war. Die Menschen liebten ihn und bangten um ihn zugleich. Eine ernsthafte Persönlichkeit - König Rama VIII besuchte Thailand im Alter von 13 Jahren begleitet von seiner königlichen Mutter, seiner älteren Schwester und seinem jüngeren Bruder. Die Thailänder waren sehr gespannt ihren sehr jungen König zu sehen, welcher im Ausland erzogen worden war. Was sie erlebten war ein extrem zuvorkommender und ernsthafter Mensch besonders nachdem er sich in Interviews in der ausländischen Presse über seine anstehenden Aufgaben und Verantwortungen geäußert hatte. Die Bevölkerung verehrte ihn sehr und es wurde endlos über ihn geredet. Als er wieder abreiste, um seine Ausbildung abzuschließen, versammelten sich tausende von Menschen, um ihm viel Glück und eine schnelle Heimkehr zu wünschen. Sieben Jahre später kehrte König Rama VIII zum zweiten Mal zurück zusammen mit seiner Mutter und seinem Bruder Prinz Bhumibol. König Ananda Mahidol wurde herzlich willkommen wo immer er hinkam. Bei offiziellen Anlässen erschien der junge König immer ernsthaft und würdevoll. Aber seine Sanfmut war immer da und sorgte dafür, daß die Menschen ihn liebten und verehrten seine Aufrichtigkeit und Entschlossenheit alles zum Wohle des Landes zu tun. Was die Menschen wirklich beeindruckte waren seine direkten persönlichen Besuche in den Gemeinden von Bangkok und der Umgebung. Er gab den Menschen das sichere Gefühl, daß der König sie beschützte. Sein Verhalten war immer schmeichelhaft und er war immer zu Hause, egal wo er zu den Leuten sprach. Während seiner vielen Besuche ließ er stets fünf-Baht Münzen in einem kleinen weißen Beutel als Andenken an alle verteilen, welche ihm Geschenke übergaben oder Aufführungen machten. Die Andenken hatten natürlich einen erheblich höheren Wert als nur den aufgedruckten. Bei seinem Besuch in Nakhon Pathom nahm Seine Majestät König Ananda Mahidol die Richterbank ein. Während eines Besuchs in Chachoengsao beteiligte er sich an der Rechtsprechung über eine Diebin. Sie sollte für sechs Monate Haft verurteilt werden, aber König Rama VIII wandelte dies in eine Bewährungsstrafe um da dies ihre erstes Vergehen war und sie ein neu geborenes Kind hatte. Die Menschen verfolgten mit besonderer Aufmerksamkeit, wenn er bei Gerichtsfällen präsidierte. Der Gerichtssaal war immer überfüllt mit Menschen, welchen ihn hören wollten. Und wenn er den Saal verlieSzlig;, waren stest Worte der Liebe und Bewunderung auf ihren Lippen. Ein besonders bemerkenswerter Fall ereignete sich bei seinem Besuch in Samphaeng, einem Stadtbezirk, welchen König Rama I an Phtaya Rajasetthi und die chinesische Gemeinde übergeben hatten, als diese zum Bau des Grand Palace umgesiedelt wurden. Dort waren sie seit der Gründung Bangkok friedlich ihren Geschäften nachgegangen. Zur Beruhigung der dortigen Unruhen waren einige verantwortliche Chinesen verhaftet worden. Obwohl die Situation sich beruhigt hatte, hegten viele Chinesen immer noch Groll. König Rama VIII entschied, daß das Problem gelöst und der Frieden wieder hergestellt werden mußte da die Thais und die Chinesen seit Generationen friedlich zusammengelebt hatten. Er hätte eine chinesische Delegation zum Besuch im Palast anfordern können, entschied sich jedoch selbst am 3ten Mai 1946 die chinesische Gemeinde zu besuchen. Dies war ein recht schwieriges Unterfangen, da Samphaeng ein Geschäftsviertel war, dessen Straßen auf beiden Seiten eng mit Geschäftshäusern bebaut waren. Straßenhändler hatte ihre Stände überall, so daß nur ein schmaler Pfad in der Mitte der Straßen offen blieb. In dem Viertel wurde mit allen denkbaren Waren gehandelt: mit Kleidung, Textilien, Betten, Matrazen, Küchengegenständen, frischen und getrockneten Lebensmitteln, Gemüse genauso wie mit Edelsteinen oder Halbedelsteinen. Als die Neuigkeit Samphaeng erreichte, daß Seine Majestät König Ananda Mahidol mit Prinz Bhumbol die Gemeinde besuchen werde, waren alle Chinesen und Geschäftleute hocherfreut. Sofort begann man mit Vorbereitungen zum Besuch des Monarchen. Straßen wurden repariert und vor den Geschäften wurden Altäre errichtet, um eine möglichst ehrerbietige Atmosphäre zu schaffen. Jung und alt verneigten sich vor ihren Häusern um ihrem König Ehre zu erweisen. Der König und sein Bruder brauchten vier Stunden für den relativ kurzen Weg in Samphaeng, welchen sie in ohne jegliches Zeichen von Hast zurücklegten. Das Gesicht Seiner Majestät strahlte Ruhe und Freundlichkeit aus. Die Erinnerung an diesen Besuch dauert auch nach vielen Jahren noch an. Die Thais bemerkten den hohen Respekt mit welchem der König bei den Chinesen aufgenommen wurde, vergaßen ihren Ärger und stellten weitere Gewalttätigkeiten ein, die schnell hätten eskalieren können. Am 5ten Juni 1946 besuchte König Ananda Mahidol die Bauern in Bang Khen und erkundigte sich genaustens nach deren Reisanbaumthoden. Die Leute wußten nicht, daß dies sein letzter Besuch sein sollte. Traurige Nachrichten - Am 9ten Juni 1946 kurz nach neun Uhr morgens überschattete eine traurige Nachricht den Himmel - Seine Majestät der König war tot. Die Menschen brachen zusammen und weinten und viele wollten es nicht glauben bis eine offizelle Nachricht ausgestrahlt wurde. Seit dem 2ten Juni des Jahres litt König Rama VIII an einer Magenkrankheit. Dennoch nahm er weiter Termine war. Als sein Zustand sich verschlechterte, verließ er den Palast nicht mehr. Am 9ten Juni erwachte er um 6 Uhr morgens und ging wie gewohnt seinen Geschäften nach. Gegen 9 Uhr hörten Pagen einen Schuß in seinen Gemächern und fanden den König blutüberströmt auf seinem Bett und bereits tot. Sofort wurde die Königin Mutter herbeigerufen. Nach der Untersuchung gab später der Generaldirektor der Polizei bekannt, daß der König beim Hantieren mit Handfeuerwaffen versehentlich einen Schuß ausgelöst hatte. Das Büro des Premierministers veröffentlichte eine offielle Verlautbarung: »Seine Majestät der König verstarb am 9ten Juni 1946 und löste damit großen Kummer bei der Regierung und Bevölkerung aus. Angesichts seiner Leistungen für das Wohl des Landes ist es angemessen, zum Zeichen der Loyalität eine einjährige Trauer einzuhalten. Alle Flaggen werden heute auf halbmast gesetzt.« Das ganze Land war schwarz gekleidet und Trauer breitete sich in der ganzen Nation aus. Tausende traurige Menschen kamen, um ihm den letzten Respekt zu erweisen. Monatelang kamen Menschen mit Tränen in den Augen zum Grand Palace, wo er aufgebahrt war. Auch wenn seine Regentschaft kurz war und er von einem Regierungsrat unterstützt wurde, da er noch sehr jung war, hatte König Rama VIII seine Aufgaben gut erledigt. Seine warme und freundliche Art hatte ihm viel Liebe und Anerkennung sowohl bei den Thailändern als auch bei ausländischen Besuchern eingebracht. Die Erinnerung wird König Ananda Mahidol in den Köpfen der Menschen noch für viele Jahre lebendig halten. Der Originaltext stammt von der Assumption University, 1997. Übersetzung Hans Möller. Kommentare |