von Günther Ruffert Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier die Rezension oder bestellen Sie online: Geschichten aus Thailand, Farang in Thailand. Jeder von uns hat als Kind die Nibelungensage gelesen, und auch vom Goldschatz, den der grimme Hagen im Rhein versenkt haben soll. Es hat tatsächlich in der Vergangenheit immer wieder Versuche von Leuten bei uns gegeben, die glaubten daß alte Sagen einen wahren Kern haben, und die versucht haben, dieses Gold aufzuspüren. Es handelte sich aber immer um mehr oder weniger "spinnerte" Privatpersonen, die hier ihr Geld und ihre Zeit verpulverten. Aus Thailand kommt jetzt die Kunde von einer modernen Version dieser Mär, der diesmal aber nicht etwa nur ein paar exzentrische Schatzsucher, sondern die Thai-Öffentlichkeit mit dem Premierminister an der Spitze aufsaßen. Seit einigen Jahrzehnten taucht in den Thai Medien immer wieder die Story von einem Riesenschatz auf, den die 1945 vor den Alliierten fliehenden japanischen Truppen in einer Höhle in Thailand verborgen hätten. Es hat schon in der Vergangenheit immer wieder Leute gegeben, die sich auf eigene Faust daran machten, in alten Höhlen nach diesem Schatz zu suchen. Dabei sind bisher 6 Menschen beim Einsturz von primitiv gegrabenen Löchern ums Leben gekommen. Jetzt hat nun Khun Chaowarin, ein Mitglied des Senats in Bangkok, dem staunenden Volk plötzlich verkündet, daß er nach langjähriger Suche den Schatz aus dem II. Weltkrieg gefunden hat, und zwar in der Lija Höhle bei Sangkhla in der Provinz Kanchanaburi. Der Ort sei ihm von einem alten Mönch verraten worden, der beim Meditieren in der Höhle vor vielen Jahren auf den Schatz gestoßen wäre. Der Senator gab auch Details über die Art des Fundes an die Presse. So daß der Schatz in mehreren Kisten aus Titanmetall tief im Stollen neben den Resten einer alten Bahn, und den Skeletten der japanischen Soldaten verborgen liegt, die nach Verbringen des Schatzes dort Harakiri begangen hätten. Ferner daß er aus 52 Milliarden Dollar amerikanischer Schatzanweisungen im Wert von jeweils 100 Millionen Dollar und 2.500 Tonnen Gold besteht. Er verkündete ferner, daß er um eine Audienz beim König nachsuchen, und ihm den Schatz als Gabe an das Volk Thailands überreichen werde Diese Enthüllungen, und noch einige mehr, veranlaßten nun den Premierminister Thaksin sofort in einem Hubschrauber an die Höhle zu eilen. Dort zeigte ihm der Senator ein paar Photos von den Schatzanweisungen und von angeblich aus dem Schatz stammenden Goldmünzen Das reichte Khun Thaksin um öffentlich zu verkünden, daß wenn der Schatz einmal gehoben sei, damit alle finanziellen Probleme Thailands gelöst wären, was natürlich im Land großen Jubel auslöste. Die Gesichter wurden aber immer länger, als einige Leute auch aus der Regierung, die ein bißchen Sachverstand besaßen, und sich von der allgemeinen Euphorie nicht anstecken ließen, klarstellten, daß an der ganzen Geschichte nichts wahr sein könnte. Zum einen hatten die Amerikaner nie Schatzanweisungen mit 100 Millionen Nennwert herausgegeben, zum anderen haben Schatzanweisungen allgemein nur eine Laufzeit von 30 Jahren, wären also längst verfallen gewesen. Auch hätte die amerikanische Regierung bestimmt davon gewußt, wenn ihr Schatzanweisungen in Höhe ihrer gesamten Devisenreserven verloren gegangen wären. Auch kann sich niemand, der einige Kenntnisse über die Situation im Jahre 1945 im fernen Osten hat, vorstellen, daß die Japaner, wenn sie denn wirklich einen solchen Schatz besessen hätten, ihn am äußersten Ende des damals von ihnen besetzten Gebiets in Thailand in einer Höhle vergraben hätten. Schließlich gab auch Khun Chaowarin zu, daß er den Schatz selbst nie mit eigenen Augen gesehen hat, sondern seine Behauptungen sich auf die Erzählungen eines alten Mönchs und ein paar ihm vorgelegte Photographien stützten. Die Bombe platzte endgültig, als sich herausstellte, daß vor einigen Monaten auf den Philippinen ein Schwindel mit gefälschten amerikanischen Bonds im Wert von jeweils 100 Millionen Dollar aufgeflogen war, die angeblich von einem Gebirgsstamm in einem 1945 abgestürzten amerikanischen Bomber gefunden worden waren. Die gefälschten Stücke von den Philippinen glichen denen auf den Thaksin vorgelegten Photos wie ein Ei dem anderen. Die Leute, die auf den Philippinen mit ihrem Schwindel aufgeflogen waren, hatten also den gleichen Trick in Thailand wieder versucht, und diesmal waren nicht nur ein paar zwielichtige Schatzsucher oder Spekulanten, sondern die Masse des Volkes mit dem Premier an der Spitze darauf reingefallen. Wie man den Zeitungen entnehmen kann, gab es in der Kabinettsitzung, in der über das weitere Vorgehen zur Verwertung des Fundes beraten werden sollte, eine Menge roter Ohren, und das Thema wurde schnell wieder von der Tagesordnung gestrichen. Alles in allem eine Geschichte, die man lustig finden könnte, es ist ja auch niemand materiell geschädigt worden. Die Art und Weise, wie er sich von einem Riesenbetrug an der Nase herumführen ließ, stärkt aber nicht gerade das Vertrauen in die Seriosität und Fachkenntnis des Regierungschef. So amüsant sich die Story auch anhört, so wirft sie doch ein bezeichnendes Licht auf die Art und Weise, wie in Thailand Politik eher mit Hoffnungen als mit Realitäten gemacht wird. Kommentare |