von Hans Möller Mondkalender wurden historisch vor den Sonnenkalendern genutzt und bestimmen in vielen Kulturen auch heute noch die Lage der älteren, zumeist religiösen Feiertage. So werden zB die buddhistischen und christlichen Feste nach dem Mondkalender berechnet und variieren daher im Datum, welches nach dem Sonnenkalender bzw Gregorianischen Kalender berechnet wird. Im Sonnenkalender bestimmt das astronomische Sonnenjahr die Länge eines Kalenderjahres. Die Jahreszeiten liegen immer in den gleichen Monaten und sind im Kalender fixiert. Die wichtigsten Meßpunkte sind die Tagundnachtgleichen und die Sonnenwenden. Die Einteilung des Sonnenkalenders orientiert sich an der Länge des gesamten Jahres. Der Mondkalender beruht auf der Dauer eines Monats, welcher durch die Mondphasen definiert ist. Es werden vier Mondphasen unterschieden: Vollmond, abnehmender Mond, Neumond und zunehmender Mond. Der Ablauf eines Zyklus benötigt 29,53 Tage. Daher haben Mondkalender Monate mit einer Länge von abwechselnd 29 und 30 Tagen um auf eine durchschnittliche Monatslänge von 29,5 Tagen zu kommen. Das Sonnenjahr ist nicht ohne Rest durch die Mondmonate mit 29,5 Tagen teilbar, daher wandern die Jahreszeiten durch das Jahr. Diese Form des Mondkalenders, welcher nicht mit dem Sonnenjahr abgeglichen wird, heißt 'freier' Mondkalender. Einen 'freien' Mondkalender haben zB die Römer benutzt. Noch heute berechnen sich die islamischen Feiertage nach einem 'freien' Mondkalender. So verschiebt sich zB Ramadan jährlich um 10-12 Tage. Eine zweite Form des Mondkalenders ist der 'gebundene' Mondkalender oder Lunisolarkalender. In diesem Kalender werden Ausgleichzeiten eingeführt, welche dazu dienen, das Mondjahr an das Sonnenjahr anzupassen. Diese Ausgleichzeiten haben die gleiche Funktion wie die Schalttage im Sonnenkalender. Da das Sonnenjahr nicht genau 365, sondern knapp 365,25 Tage dauert, wird alle 4 Jahre im Februar ein Schalttag eingefügt. Alle 100 Jahre wird der Schalttag ausgelassen, alle 400 gibt es ihn dann doch. So wird sichergestellt, daß das Kalenderjahr mit dem astronomischen Sonnenjahr übereinstimmt. Um den Mondkalender mit dem Sonnenjahr abzugleichen, ist allerdings mehr Aufwand nötig. Es wird sowohl ein Ausgleichsmonat als auch ein Ausgleichstag benutzt, um das Mondjahr mit dem Sonnenjahr abzugleichen. Der Ausgleichsmonat füllt die Lücke zwischen den zwölf Mondzyklen und dem Sonnenjahr. Der Ausgleichstag hat die gleiche Funktion wie der Schalttag im Sonnenkalender. Lunisolarkalender sind zB der Jüdische Kalender und der Chinesische Kalender. Auch in Thailand wurde - wie in vielen anderen ostasiatischen Staaten auch - über viele Jahrhunderte der Mondkalender benutzt. Noch heute berechnet sich das Datum der buddhistischen Feiertage nach dem Mondkalender. In vielen gedruckten Kalendern in Thailand wird zusätzlich das Datum nach dem Mondkalender angegeben. Im Jahr 1889 wurde von König Chulalongkorn Rama V der Gregorianische Kalender eingeführt. Dabei wurde jedoch der Jahresbeginn auf den 1. April festgelegt. Erst seit 1941 ist auch in Thailand der Jahresbeginn am 1. Januar. Der Thailändische Mondkalender heißt Chantarakati. Dieser teilt das Jahr in 12 Monate, welche abwechselnd 29 und 30 Tage lang sind. Die ungeraden Monate (Düan Khaad) haben 29 Tage, die geraden Monate (Düan Thäm) haben 30 Tage. Jeder Monat ist in zwei Abschnitte unterteilt: - Tage des zunehmenden Mondes (บึ้น, küün = aufsteigen)
- Tage des abnehmender Mondes (แรม, rääm = verringern)
Jeder Monat beginnt mit dem ersten Tag des zunehmenden Mondes (Wan Küün Nüng Kham = erster Tag des zunehmenden Mondes). Die Mitte des Monats ist der Vollmondtag (Wan Küün Sip Haa Kham = fünfzehnter Tag des zunehmenden Mondes). Der letzte Tag im Monat ist in Monaten mit 29 Tagen der vierzehnte Tag des abnehmenden Mondes (Wan Rääm Sip Sii Kham) und in Monaten mit 30 Tagen der fünfzehnte Tag des abnehmenden Mondes (Wan Rääm Sip Haa Kham). Einige Tage im Monat haben auch spezielle Namen und Bedeutungen. Der fünfzehnte Tag (Vollmond) heißt Wan Phen und der letzte Tag (Neumond) Wan Sub. Es gibt auch eine Art Wocheneinteilung anhand der regelmäßigen buddhistischen Feiertage (Wan Phra - วันพระ). Folgende Tage sind als heilige buddhistische Tage festgelegt: der achte (Wan Küün Pääd Kham) , fünfzehnte (Wan Küün Sip Haa Kham) , dreiundzwanzigste (Wan Rääm Pääd Kham) und letzte (Wan Rääm Sip Sii Kham oder Wan Rääm Sip Haa Kham) Tag des Monats. Die Monate im Chantarakati haben keine Namen, sondern werden einfach von eins bis zwölf durchnummeriert. Die Bezeichnung der Monate (Düan) ist: - Düan Ai
- Düan Yi
- Düan Saam
- Düan Sii
- Düan Haa
- Düan Hok
- Düan Dschet
- Düan Pääd
- Düan Kao
- Düan Sip
- Düan Sip-Et
- Düan Sip-Song
Der erste Monat des thailändischen Mondkalenders beginnt im November oder Dezember des Gregorianischen Kalenders.Neben dem normalen Jahr existieren im Chantarakati Schaltjahre mit einem Schaltmonat und Schaltjahre mit einem Schalttag. Dies ergibt drei unterschiedliche Jahreslängen im Chantarakati, welche auch jeweils einen eigenen thailändischen Namen haben: - 354 Tage - das normale Jahr heißt Prokatimas (ปกติมาส)
- 355 Tage - Schaltjahr mit dem zusätzlichen Tag Athikawara (อธิกวาร); dieses Jahr wird auch selbst Athikawara-Jahr genannt
- 384 Tage - Schaltjahr mit dem zusätzlichen Monat Athikamas (อธิกมาส); dieses Jahr wird auch selbst Athikamas-Jahr genannt
Generell wird ein Schaltjahr auch Athikasurathin genannt. Die Bezeichnungen stammen aus dem Pail und Sanskrit. Die Silbe 'Athika' bedeutet 'zusätzlich' , 'Warn' oder 'Thin' Tag, 'Mas' Monat und 'Sura' Sonne. Der Schalttag Athikawara wird an den siebten Monat angefügt. Im Schaltjahr hat dieser Monat dann 30 statt 29 Tage. Dieser Schalttag wird alle 4 bzw 5 Jahre eingefügt, jedoch nicht, wenn das entsprechende Jahr ein Athikamas-Jahr ist. Der Monat Athikamas mit 30 Tagen wird alle zwei bzw drei Jahre nach dem achten Monat als 'letzter achter Monat' angefügt. Frühere Mondkalender auf dem heutigen Gebiet Thailands wichen in der Festlegung des Jahresbeginns voneinander ab. Im Königreich Lannathai in Nordthailand begann das Jahr zwei Mondzyklen, im Shan-Königreich (heutiges Burma) einen Mondzyklus später. Auch in Laos, Kambodscha und Burma wird der Mondkalender genutzt. Das System ist dem thailändischen ähnlich, hat jedoch in allen Ländern Besonderheiten. So haben in Kambodscha die einzelnen Monate einen Namen. Der Thailändische Mondkalender Chantarakati ist eingebettet in das umfassendere System des 120-jährigen Kalenders Nagasatra. In einem Jahreszyklus von 12 Jahren ist jedem Jahr ein Tierkreiszeichen zugeordnet. Es gibt die zwölf Zeichen: - Chuad (Ratte)
- Chalu (Büffel)
- Khal (Tiger)
- Toa (Hase)
- Maroang (Drache)
- Maseng (Schlange)
- Mamia (Pferd)
- Mamaae (Ziege)
- Wog (Affe)
- Raga (Hahn)
- Jau (Hund)
- Goon (Schwein)
Eine Übersicht der der Tierjahre von 1900 bis 2100 finden Sie unter Sternzeichen.Im Nagasatra kann jedes Jahr durch das Hinzufügen eines Zählers von eins bis zehn identifiziert werden. Dadurch wird der Nagasatra zu einem 120-jährigem Kalender. Die Zählung ist dabei aus dem Sanskrit übernommen. Wird eine solche Jahrsangabe angeführt, so wird sie durch das Wort Jahr (phi: - ปี) eingeleitet und durch den Klassifikator Sok abgeschlossen. Zähler im 120-jährigen Nagasatra-Kalender: - 1 = ek
- 2 = to
- 3 = tri
- 4 = jatawa
- 5 = benja
- 6 = cho
- 7 = satawa
- 8 = attha
- 9 = noppa
- 10 = samriti
Dabei bedeutet zB Pii Satawa Wog To Sok das siebte Affe-Jahr in der Nagasatra-Periode. Eine vollständige Datumsangabe nach dem Thailändischen Mondkalender Chantarakati beinhaltet folgende Angaben: - Mondphase (zunehmend oder abnehmend)
- Nummer des Tages (innerhalb der Mondphase)
- Nummer des Monats
- Name des Jahres (im 120-jährigen Nagasatra-System)
Die Datumsangabe für den 7. Oktober 1954 ist dann Küün Sib Kham - Düang Sib-Et - Pii Mamia Cho Sok. Kommentare |