von Hans Möller Privat herausgegebene Geldstücke waren im Thailand des 18ten und 19ten Jahrhunderts eine weit verbreitete Erscheinung. Es handelte sich um Münzen, welche von Spielbanken und Geldwechslern herausgegeben wurden. Daher bürgerte sich auch der Name 'Spielhausgeld' für diese Stücke ein. Das Spielhausgeld wurde zunächst als Einsatz bei Glücksspielen genutzt, später auch bei kleineren Handelsgeschäften eingesetzt und schließlich im 19ten Jahrhundert sogar als offizielles Zahlungsmittel akzeptiert. Porzellantoken (Spielhaustoken)
 Skurriler Kopf eines Chinesen mit blauem Hut Abbildung von Köhler-Osbahr-Stiftung(3) Das Spielhausgeld wurde vor allem aus Porzellan, aber auch aus Zinn hergestellt. Die Münzen stammten meist aus chinesischer oder malayisch-chinesischer Produktion. Die gängige Form war das Porzellangeld, welches in China hergestellt wurde und mit chinesischen und thailändischen Schriftzeichen versehen war. Die einzelnen Stücke werden auch als Token, also Porzellantoken (englisch porcelain token) oder Zinntoken (tin token) bezeichnet. Die Spielhausmünzen wurden in der thailändischen Sprache als Pei, Pee oder Hong bezeichnet. Hong leitet sich aus dem thailändischen Wort für 'Raum, Zimmer' ab, welches eine allgemeine Bezeichung für die Spielhallen war. In der modernen Ausdruckweise spricht man auch von Jetons, Privatmünzen oder Marken. Die älteste belegte Verwendung von Porzellan als Münzmaterial findet sich angeblich im Thailand des 18ten Jahrhunderts. Die Porzellanmünzen wurden aus weißem Porzellan oder aus Steingut hergestellt. Die Schriftzeichen oder Abbildungen auf den Porzellantokens wurden zum Teil farbig gemalt. Da die Herausgabe der Münzen durch private Firmen erfolgte, gibt es tausende von Variationen. In der Literatur wird davon ausgegangen, daß ca. 8000 verschiedene Porzellanmünzen hergestellt wurden. Ralf Althoff listet in seinem Buch 'Siamesische Porzellantoken' insgesamt ca. 1300 unterschiedliche Exemplare auf(4). Das Porzellangeld Thailands wird oft in einem Atemzug mit dem Porzellangeld anderer Epochen genannt. So wurde zB in Preußen in den 1920er Jahren Porzellangeld herausgegeben. Auch Japan griff in den letzten Jahren des zweiten Weltkrieges auf Porzellangeld zurück. Hier handelte es sich jedoch nicht um privat herausgegebene Münzen. Vielmehr entstanden die Ausgaben in Preußen und Japan als staatliches Notgeld, welches auf dem geschichtlichen Hintergrund der Inflation bzw aus Edelmetallmangel herausgegeben wurde. Das thailändische oder siamesische Porzellangeld war kein Porzellannotgeld. Zinntoken
 aus Songkhla Gewicht 13,35 Gramm Durchmesser: 3,85 cm Abbildung von Ancient Chinese Coinage Web Site(2) In Südthailand auf der malayischen Halbinsel war Spielgeld aus Zinn verbreitet, welches in chinesischer, thailändischer und arabischer Sprache beschriftet waren. Ein wichtiges Abbaugebiet für Zinn ist die Gegend um die Insel Phuket, die ihren Reichtum dem Zinnabbau verdankte. Noch heute wird dort auf schwimmenden Plattformen Zinn gewonnen. Zinntoken
 aus Songkhla Gewicht 10,2 Gramm Durchmesser: 4 cm Abbildung von Ancient Chinese Coinage Web Site(2) Der erste Nachweis von Spielhausgeld in Thailand ist um 1760. Hintergrund der Einführung von privatem Geld ist die Krise des Kaurigeldes. Die europäischen Handelsmächte hatten im 18ten Jahrhundert damit begonnen, große Mengen an billig erworbenen Kaurimuscheln in die Länder der Kauriwährung einzuführen. Dadurch sank der Wert der Kaurimuschel. Um 1835 entsprachen einem Baht (Tikal) bereits 6400 Kaurimuscheln. Damit war die praktische Handhabung des Kaurigeldes stark eingeschränkt. Das Spielhausgeld füllte die Lücke der Scheidemünzen zwischen Kauri und Baht. Es wurden Stücke im Wert von 1/16, 1/8 und 1/4 Baht herausgegeben. Die Spielhaustokens sind ein privatwirtschaftlicher Kleingeldersatz. Das Spielhausgeld wurde zunächst als Spielstandzähler für das Spiele Fantan genutzt. Danach wurde es regional als Zahlungsmittel anerkannt. Die Herausgeber wurden verpflichtet, bei Vorlage des Spielhausgeldes den Gegenwert in Gold oder Silber auszuzahlen. Auf den Pozellanmünzen wurden die Wertangaben auch in chinesischen Schriftzeichen dokumentiert: Salung
 Fuang
 Porzellangeld
 Abbildung von Ancient Chinese Coinage Web Site(2) Nachdem bis zum Jahr 1875 Scheidemünzen in Zinn und Kupfer in genügender Anzahl im Umlauf waren, wurde die Herausgabe von Spielhausgeld im allgemeinen Handelsgeschäft durch ein Gesetz von Rama IV verboten. 1893 wurde auch die Nutzung in Spielhallen untersagt, schließlich wurden im Jahr 1916 die Spielhallen selbst verboten. Das Stadt- und Kulturhistorische Museum in Duisburg besitzt eine große Sammlung von siamesischem Porzellangeld, welche durch eine Donation erworben wurde. Quellen: (1) Münzen-Lexikon Homepage (2) Ancient Chinese Coinage Web Site Homepage (3) Köhler-Osbahr-Stiftung Homepage (4) Ralf Althoff, Siamesische Porzellantoken, Duisburg, 1995. ISBN 3-89279-513-4 Kommentare |